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unRuhezeiten
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© Der Filmverleih GmbH

Kritik: unRuhezeiten (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Es steht schlecht um die Theaterkunst in Deutschland. Die Städte investieren lieber in Einkaufszentren, als in Bühnen, auf denen Stücke vor halbleeren Sälen gespielt werden. Vielleicht gibt es auch zu viele Theater, die um die geringen Fördermittel ringen. Oder zu viele Schauspieler, die auf der Wartebank sitzen und hoffen, einmal groß herauszukommen. Was passiert unter diesen Bedingungen mit der künstlerischen Leidenschaft? Wie versuchen Dramaturgen und Regisseure, die Aufführungen attraktiv und aufsehenerregend zu gestalten?

Der Spielfilm der Regisseure Eike Weinreich und Alexej Hermann nimmt den Alltag und die Nöte des zeitgenössischen Theaterbetriebs aufs Korn. Er spießt künstlerischen Dünkel und Opportunismus auf, aber auch die Auswirkungen einer kommunalen Politik, die dem Kunstbetrieb gewinnorientiertes Haushalten oder gar Einsparungen auferlegt. Das Theater Oberhausen hat an diesem Film mitgewirkt, der selbst die Form eines Theaterstücks annimmt, mit klassischen Abschnitten wie Einleitung, Steigerung, Höhepunkt, Auflösung.

Den inhaltlichen Kern bildet die Rivalität der jungen Schauspieler Moritz und Thieß. Er wird von weiteren kleinen Geschichten flankiert, die sich manchmal sogar nur auf kurze Sketche beschränken. Diese Einlagen überzeugen nicht immer, beispielsweise stellt einmal ein mit dem Theater nicht vertrauter Maskenbildner banausenhafte Fragen zur "Orestie", nur damit die Theaterleute heimlich die Nase rümpfen können. Diese geben viel auf ihr Kunstverständnis, selbst wenn sie dem Regisseur und seiner Absicht nicht folgen können. Die Frage, wie man neue kreative Impulse geben soll, entzweit wiederholt Schauspieler und Regisseure. Ein anderer Handlungsstrang schildert die Abneigung mancher Schauspieler, auch mal in unvorteilhaften Kostümen herumzuhüpfen und Kinder zu bespaßen.

Zwischen diese Szenen wird ein fortlaufender Theatermonolog geschnitten, in dem die Geschichte eines Blumengärtners erzählt wird, den die Politik zwingt, immer mehr von seinem Grund abzugeben. Um trotzdem über die Runden zu kommen, muss er die Blume anpflanzen, die am meisten Gewinn bringt. Diese Monotonie aber hat keine Zukunft. Dieses Plädoyer für Kunstfreiheit und Theatervielfalt wirkt überzeugend und sympathisch. Auch sonst bietet der Film, vor allem dank des selbstironischen Blicks der beteiligten Theaterleute auf ihre Welt, kurzweilige Unterhaltung.

Fazit: Die Regisseure Eike Weinreich und Alexej Hermann haben diesen satirischen Spielfilm über die Probleme an einem Provinztheater zusammen mit dem Theater Oberhausen produziert. Wie ein Theaterstück aufgebaut, verfolgt er die Intrige eines neidischen Jungschauspielers während der Proben für ein Stück. Flankiert wird die Handlung von sketchartigen Einblicken in die finanziellen Nöte des Betriebs und den Schauspieleralltag zwischen Existenzangst und Karriereträumen. Zwar sind nicht alle Anekdoten geistreich, aber insgesamt bietet der Film vergnügliche Unterhaltung mit Biss.




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