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Marie Curie - Elemente des Lebens
Marie Curie - Elemente des Lebens
© Studiocanal

Kritik: Marie Curie - Elemente des Lebens (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Marie Curie – Elemente des Lebens" ist der vierte Kinofilm über Curie. Bereits 1943, neun Jahre nach ihrem Tod, entstand ein erster Film (damals spielte die Britin Greer Garson die Titelrolle). Regie bei "Elemente des Lebens" führte Regisseurin und Comic-Zeichnerin Marjane Satrapi, die 2007 mit "Persepolis" ihren Durchbruch feierte. Ihren ersten Film seit der Komödie "The Voices" (2014) drehte sie in Ungarn.

Die französisch-iranische Filmemacherin lässt – die filmische – Gegenwart und Zukunft ganz direkt aufeinanderprallen, wenn sie in eingestreuten, kurzen (und zum Teil animierten) Sequenzen die späteren Auswirkungen von Curies Forschung und Entdeckungen aufzeigt. Zum Beispiel zeigt sie die erst durch die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium möglich gewordene Krebstherapie eines Kindes, verweist aber ebenso auf die tragischen, dramatischen Konsequenzen: etwa die Hiroshima-Bombe oder auch die Tschernobyl-Katastrophe 1986. Satrapi kann in diesen Einschüben ihr ganzes Talent für animierte, tricktechnisch beeindruckende Darstellungen und tolle visuelle Einfälle ausspielen.

Kernproblem des Films ist, dass er in zu kurzer Zeit sämtliche wichtige Erlebnisse und Vorfälle in Curies Leben veranschaulichen will. Dies ist in einem rund 105-minütigen Film schlicht nicht möglich. Und so wirkt "Elemente des Lebens" an vielen Stellen halbgar und unausgereift, da er viele Lebensstationen der großen Forscherin überhastet abarbeitet und nur knapp anreißt. Satrapi will zu viel und überfrachtet ihren Film thematisch. Sie erzählt von Curies Arbeit, ihren Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaft und schielt in Richtung "romantischer Liebesfilm", wenn sie die Beziehung zu Pierre kurz ins Zentrum rückt. Darüber hinaus befasst sie sich (oberflächlich) mit Maries Verhältnis zu ihrer Tochter und thematisiert ihren Kampf um Gleichberechtigung und Akzeptanz in der von Männern geprägten, frauenfeindlichen Wissenschaftswelt.

Immerhin: Die "Chemie" zwischen Pike und Riley stimmt. Ihr Zusammenspiel wirkt nie gekünstelt oder unecht. Zudem überzeugen Ausstattung, Setting und Kostüme. Die Schauplätze (gedreht wurde in der ungarischen Hauptstadt Budapest) verströmen nostalgisches Flair und versetzen den Zuschauer glaubhaft zurück ins Paris des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Fazit: Inhaltlich überladenes, stellenweise unausgegorenes Biopic, das allerdings mit seinen Zeitsprüngen, Animationen und experimentellen Einschüben Mut beweist und über zwei nachdrücklich aufspielende Hauptdarsteller verfügt.




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