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Bruderliebe
Bruderliebe
© Film Kino Text

Kritik: Bruderliebe (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die ebenso behutsam wie sorgfältig inszenierte Langzeit-Dokumentation "Bruderliebe" erzählt davon, wie schnell sich das Leben innerhalb weniger Sekunden radikal ändern kann. Daneben zeigt sie den aufopferungsvollen Kampf gegen bürokratische Windmühlen, für das Recht auf ein menschenwürdiges Dasein und nicht zuletzt die damit verbundenen Anstrengungen und kraftraubenden Bemühungen. Die letztlich aber von Erfolg gekrönt sind: Denn Markus‘ Zustand verbessert sich dank Michaels Einfallsreichtum und Einsatz am Krankenbett allmählich. Nach langem Aufenthalt in der Klinik darf er nach Hause. Dort steht für die Brüder eine ganz neue Herausforderung an. Das Ziel ist, Markus wieder zu einem selbstständigen Mitglied der Gesellschaft zu machen.

Die Dokumentation vermittelt unbeteiligten Außenstehenden ein sehr klares Bild davon was es heißt, sich voll und ganz der häuslichen Pflege eines Familienangehörigen zu widmen – mit allen positiven wie negativen Erlebnissen (etwa dem ständigen Auseinandersetzen mit Ämtern und Behörden). Damit passt der Film perfekt in eine Zeit, in der das Thema Pflege die politische Diskussion immer wieder bestimmt. Zuletzt ging es dabei vor allem um Aspekte wie die Aufwertung des Pflegeberufs aber auch um die Situation pflegender Einzelpersonen, die sich um ihre Angehörigen kümmern. Und für die diese Aufgabe ein kräftezehrender Vollzeitjob ist. Genau hier setzt auch "Bruderliebe" an. Filmemacherin Julia Horn wird mit ihrer Kamera zu einer beständigen Begleiterin des Alltags von Markus und Michael Becker und erhält so intensive Einblicke in das Leben und den Kampf der Beiden.

In langen und sehr persönlichen Gesprächen gibt Horn ihren Interviewpartner den Raum den sie benötigen, um ihren Befindlichkeiten Ausdruck zu verleihen – ohne zu unterbrechen oder einzuhaken. Außerdem verzichtet sie auf Off-Kommentare und lässt so die Bilder ganz für sich sprechen. Dabei greift sie öfter auf das private Videomaterial von Markus zurück, der mit seiner Kamera von Beginn an Michaels‘ Leidensweg dokumentierte.

Fazit: Ein zutiefst menschliches und feinfühlig umgesetztes Werk über eine bedingungslose Bruderliebe, das trotz der Schwere des Themas und der Tragik der Ereignisse von heiteren sowie hoffnungsvollen Momenten durchzogen ist.




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