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Alva (2019)

Drama über einen Mann in den portugiesischen Bergen, der ein Verbrechen begeht.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Henrique (Henrique Bonacho) lebt in einem kleinen Steinhaus in der Nachbarschaft eines portugiesischen Dorfs. Er hält ein paar Schafe und ernährt sich von Konserven. Regelmäßig kommt der Milchmann vorbei. Einmal die Woche bekommt Henrique auch noch kurz Besuch von einem anderen Mann und einer jungen Frau. Henrique redet fast gar nicht mit ihnen, es scheint nichts zu geben, was ihm Freude macht. Wenn er die Schafe hinaustreibt zum Grasen, steht er verloren neben ihnen in der Landschaft. Der Besucher fragt Henrique, ob er etwas von den Töchtern gehört habe und Henrique verneint.

Henrique holt sein Gewehr und leiht sich das Auto des Milchmanns, mit dem er in die Stadt fährt. Er folgt einer Frau zu ihrem Haus, wartet die Nacht über im Auto, geht am nächsten Tag mit dem Gewehr vor die Tür und schießt, als sie geöffnet wird. Er dringt ins Haus und schießt noch einmal. Dann fährt er weiter, begehrt Eintritt in ein anderes Haus, in dem er die Haushälterin nach einer Frau und den Mädchen fragt, die nicht zuhause sind. Henrique kehrt heim und klettert einen Hang hinauf, zu einem verfallenen Steinhaus in der Wildnis oberhalb des Dorfs. Dort versteckt er sich vor der Polizei.

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Alva


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der portugiesische Regisseur Ico Costa präsentiert einen atmosphärisch dichten Spielfilm mit ungewöhnlicher Dramaturgie. Der Held begeht, kaum dass man sich in sein karges einsames Leben auf dem Lande einzufühlen beginnt, ein Verbrechen. Nun folgt der Film diesem Mann, der von Rechts wegen hinter Gitter gehört, in sein neues Dasein im Versteck in den Bergen. Ohne Kontakt zu Menschen, frierend und hungernd, scheu und entwurzelt, bezieht Henrique seine Kraft aus dem puren Überlebenswillen. Was in ihm vorgeht, weiß man nicht, und doch wird einem dieser Kämpfer gegen die Sinnlosigkeit seltsam vertraut.

Schon bevor Henrique das Verbrechen begeht, lassen sich Anzeichen einer inneren Verwahrlosung erkennen. Der Milchmann ermahnt ihn, die Schafe doch täglich hinauszutreiben. Wenn sich der Schweigsame in Gegenwart eines flüchtigen Besuchs eine Zigarette dreht, muss er sie alleine zu Ende rauchen. In seinem Steinhaus herrscht Unordnung, der alte Fernseher ist verstaubt. Henrique setzt sich mitten im Gerümpel zum Essen nieder, das aus Konserven besteht. Als er untertaucht, werden seine Bewegungen vorsichtig, zaghaft, als rätsele er selbst über die Zielrichtung. Dabei scheint ihm auch die Zeit zu entgleiten. Nur einmal gibt es in diesem Drama einen Moment der Zufriedenheit, als Henrique – wie viele Jahreszeiten mögen vergangen sein? - sich neben einem Lagerfeuer entspannt hinlegt.

Costa, der auch das Drehbuch verfasste, wartet mit einer überraschenden Wendung auf. Auch wer die Opfer des Verbrechens waren, wird erst am Schluss enthüllt. Der wortkarge Film, der auf Musik verzichtet, wirkt nicht zuletzt wie eine Liebeserklärung an die grüne portugiesische Hügellandschaft. Archaische Steinhäuser aus der Epoche vor der Landflucht vergammeln zwischen Brombeerhecken, ein Einheimischer wie Henrique kennt dort unzählige Wege, die scheinbar ins Nirgendwo führen.

Der Titel ist übrigens der Name eines Flusses, an den Henrique kommt. Das trockene Laub des Winters, der Regen, die Vogelstimmen der Frühlings, das Surren der Insekten fügen sich zu sinnlichen Eindrücken einer Natur, die ein gewisses Maß an Geborgenheit ausstrahlt. Darunter lauert aber ein Gefühl der Verlorenheit, denn diese alte Kulturlandschaft nimmt Menschen, die ihr längst den Rücken gekehrt haben, nicht mehr mit offenen Armen auf.

Fazit: Der portugiesische Regisseur Ico Costa hat ein atmosphärisch dichtes Drama inszeniert, dessen Antiheld sich nach einem Kapitalverbrechen in den Wäldern versteckt. Es folgt dem wortkargen Mann auf seinen Wegen in die absolute Einsamkeit in Hör- und Sichtweite der Zivilisation. Die ungewöhnliche Dramaturgie lässt lange offen, auf wen der Mann schoss und hüllt sich auch bezüglich des vorangegangenen Familiendramas in Schweigen. Sie nähert sich auf bewegende Weise einem Menschen, dessen Charakter abgesehen von der bösen Tat unbekannt bleibt, beim Versuch, der eigenen Existenz doch noch Sinn und Halt zu geben.




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Land: Portugal
Jahr: 2019
Genre: Drama, Krimi
Länge: 98 Minuten
Kinostart: 12.12.2019
Regie: Ico Costa
Darsteller: Henrique Bonacho als Protagonist
Verleih: Wolf Kino

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