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Kritik: Einsam Zweisam (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eigentlich leben Mélanie und Rémy ja gerne in Paris. Und es geht diesen jungen Menschen dort auch gar nicht so schlecht, haben sie doch beide eine Wohnung und Arbeit. Aber wenn sie abends nach Hause kommen, merken sie, wie einsam sie sich fühlen. Es wartet niemand auf sie, mit dem sie ihre Wünsche und Sorgen teilen könnten. So beschleicht beide eine tiefe Verunsicherung, die ihnen den Schlaf raubt. Rémy rutscht wegen Entlassungen am Arbeitsplatz sogar in eine depressive Phase.

Der französische Regisseur Cédric Klapisch versteht es hervorragend, das zwiespältige, von Selbstzweifeln getrübte Lebensgefühl junger Singles in der anonymen Großstadt zu durchleuchten. Der Realismus, der seinen Film "Der Wein und der Wind" prägte, findet sich auch hier, gepaart mit einer sanft schwebenden Romantik, die von ferne an sein anderes Werk "So ist Paris" erinnert. Wie so oft in französischen Filmen überrascht auch hier eine originelle Idee. Die Geschichten von Mélanie und Rémy werden im ständigen Wechsel erzählt und offenbaren dabei einen nahezu parallelen Verlauf. Einmal, als Rémy seine unbekannte Nachbarin in der Badewanne singen hört, glaubt man, er würde sie nun kennenlernen, zumindest akustisch wie das in der romantischen Komödie "Mit dem Herz durch die Wand" geschah. Aber Klapisch geht seinen eigenen Weg.

Dazu gehört ein kritischer Blick auf die Kontaktsuche und -pflege in den sozialen Medien. Sowohl Rémy, als auch Mélanie fühlen sich irgendwie unwohl auf ihren Freundschafts- und Datingportalen, wissen aber nicht, warum. Klapisch beweist ein feines Gespür für die Komik, die sich in verschiedenen gesellschaftlichen Trends verbirgt. So begegnet Rémy dank des Internets ein aufgedrehter Schulfreund (Pierre Niney), an den er sich gar nicht erinnert. Und als Rémy seinen Arbeitgeber im flotten Frage-und-Antwortspiel von sich überzeugen soll, zeigt er sich verständnislos.

François Civil spielt Rémy mit verlorenem Blick aus großen Augen als einen liebenswerten Charakter auf Entdeckungsreise zu sich selbst. Ana Girardot versteht es, Mélanie eher unscheinbar und dennoch auf makellose Weise lebendig darzustellen. Dass sich bekannte französische Darsteller wie François Berléand oder Simon Abkarian in Nebenrollen blicken lassen, verleiht diesem Film zusätzlichen Reiz. Mit ihrer zarten Melancholie und dem tröstlichen Humor gelingt es dieser so aktuell wirkenden Geschichte, zu unterhalten und zu berühren.

Fazit: Der französische Regisseur Cédric Klapisch beweist mit dieser Geschichte zweier einsamer junger Menschen in Paris, dass sich Realismus und Romantik trotz ihrer gegensätzlichen Natur nicht ausschließen müssen. Der sanft melancholische und zugleich auch humorvolle Film überzeugt mit der originellen Konstruktion, die Wege der beiden Hauptfiguren Mélanie und Rémy lange parallel laufen zu lassen. Gerade weil sie sich trotz zahlreicher Gemeinsamkeiten und großer räumlicher Nähe nicht begegnen, entsteht ein bewegendes Bild des oft so widersinnig anonymen Großstadtlebens.




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