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Kritik: JAM (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In der Filmwelt ist Hiroyuki Tanaka unter seinem Pseudonym SABU bekannt. Jedes neue Werk ist eine Wundertüte. Nur eins ist sicher: Wo SABU draufsteht, steckt Schräges drin. Dieses Mal ist es ein Mix aus blutiger Gangsterballade, musikalischem Geiselthriller und kitschigem Krankenhausdrama. Garniert mit einer Prise SABU-Humor. Absurd, wild, kinetisch und garantiert nicht jedermanns Geschmack.

SABUs Stil ist von Wechseln geprägt, erzählerischen wie emotionalen. Auch in "JAM" forciert und drosselt er das Tempo und jagt seine Figuren und das Publikum durch ein Wechselbad der Gefühle. Zum Auftakt würgt eine schwer verletzte Frau ihren Taxifahrer, knallt nach einer Vollbremsung durch die Windschutzscheibe und landet vor den Füßen eines Schlagersängers. Wie es dazu kam und wie all diese verschrobenen Charaktere zusammenhängen, entspinnt SABU in drei klug miteinander verwobenen Handlungssträngen.

Darin bekommen so unterschiedliche Genres wie der Gangsterfilm, der Musikfilm und das Liebesdrama, aber auch die Schlagerbranche, Religion und Beziehungen an sich ordentlich ihr Fett weg. Deren typische Merkmale treibt SABU genüsslich auf die Spitze und gibt sie so der Lächerlichkeit preis. Abermals bedient er sich ungeniert in der Filmgeschichte, greift beispielsweise eine aus "Oldboy" bekannte Kampfszene auf. Bei SABU wird aus der im Original virtuosen Choreografie ein hektischer Tanz, der, auf mehrere Begebenheiten und Orte verteilt, immer abstrusere Züge annimmt.

Der 1964 geborene Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler ist aber auch ein schlampertes Genie, der das Eckige und Kantige, das Offene und Unfertige einer rundum runden Erzählung vorzieht. Wie so viele seiner Filme hat auch "JAM" unnötige Längen und narrative Umwege. Eine gelungene Abwechslung zum Hollywood-Einheitsbrei ist diese irre Mischung mit Versatzstücken aus "Misery" (1990) und "Oldboy" (2003) aber allemal.

Fazit: "JAM" ist eine seltsam schräge Mischung aus Gangsterfilm, Psychothriller und Liebesdrama, aufbereitet als bitterböse Farce. Zwar nicht sein bester Film, aber wie immer bei SABU eine herrlich verrückte Wundertüte.




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