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Kritik: Varda par Agnès (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Als eine von wenigen Frauen hat es Agnès Varda schon zu Lebzeiten in die Filmgeschichtsbücher geschafft. Ihr neuer und letzter Film verdeutlicht, warum das vielfältige Werk der 1928 geborenen und 2019 gestorbenen Fotografin, Regisseurin und Installationskünstlerin gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. "Varda par Agnès" ist ein intimes Selbstporträt, ein subjektives Resümee à la Varda: originell, reflektiert und verspielt.

Als Grundlage dienen verschiedene Publikumsgespräche, bei denen Varda den Zuhörenden vor Ort und damit auch dem Kinopublikum dieses Films Einblicke in ihr Schaffen gewährt. Zeitlebens habe sie sich an drei Grundregeln gehalten, sagt sie: Inspiration, Kreation und das Teilen. Wie inspirativ und kreativ ihre Fotografien, Filme und Installationen waren und bis heute sind, teilt Varda ein letztes Mal mit ihrem Publikum.

Wer ihre Filme erstmals über die Leinwand flimmern sieht, etwa den Kurzfilm "Oncle Yanco" (1967), ist bass erstaunt über den unkonventionellen Einsatz von Farbe und Montage. Aber auch all diejenigen, die mit Vardas Werk wohl vertraut sind, stellen sich irgendwann zwangsläufig die Frage, warum diese Künstlerin angesichts so wegweisender Filme wie "La Pointe Courte" (1955) oder "Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7" (1962) bis heute viel zu selten in einem Atemzug mit den üblichen Verdächtigen französischer Filmkunst genannt wird.

Während sich Größen wie Truffaut und Chabrol allzu schnell wiederholten, hat sich Varda bis zum Schluss immer wieder neu erfunden – auch das führt dieser Film eindrücklich vor Augen. Damit ist sie Godard, einem der letzten Überlebenden der Nouvelle Vague, sehr nahe. Und doch sind ihre Filme ganz anders und eigen. Weniger kühl-analytisch, dafür mitfühlend warm und von kindlicher Neugier durchdrungen. Diese Neugier hat sich Varda bis zuletzt bewahrt. Ihr Blick ist auch mit 90 Jahren davon erfüllt. Er wird fehlen.

Fazit: "Varda par Agnès" ist ein vielschichtiges Vermächtnis, ein intimes Selbstporträt und subjektives Resümee über das eigene Werk. Vermittels Publikumsgesprächen und Ausschnitten aus ihren Filmen gibt die 2019 gestorbene Fotografin, Regisseurin und Installationskünstlerin Agnès Varda einen Einblick in ihr Schaffen und ihren Arbeitsprozess. Wie dieser ist auch ihr letztes Werk kreativ, innovativ, lebenslustig, verspielt und neugierig auf die Welt und die Menschen darin.




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