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Milchkrieg in Dalsmynni
Milchkrieg in Dalsmynni
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Milchkrieg in Dalsmynni (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wer an Island denkt, hat vermutlich die spektakuläre Landschaft zwischen Gletschern, Vulkanen und Wasserfällen im Kopf. Der Fantasy-Serie "Game of Thrones" (2011-2019) diente sie als Kulisse. Die Geschichten, die einheimische Filmemacher dort erzählen, sind indes ziemlich geerdet. Grímur Hákonarson arbeitet sich an den bodenständigen Berufen und der pragmatischen Art seiner Landsleute ab. In "Sture Böcke" (2015) erzählte der Regisseur und Drehbuchautor von zwei zerstrittenen Brüdern, die über ihre Schafzucht wieder zueinanderfinden. In seiner jüngsten Tragikomödie gibt Arndís Hrönn Egilsdóttir als Milchbäuerin Inga den sturen Bock.

Die Ausgangslage erinnert zum einen an einen anderen isländischen Film: Benedikt Erlingssons "Gegen den Strom" (2018), in dem sich eine Umweltaktivistin mit Guerilla-Taktik gegen Energiekonzerne zur Wehr setzt. Zum anderen schwingt in "Milchkrieg in Dalsmynni" auch immer ein wenig von Martin McDonaghs "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" (2017) mit. Allein Ingas Arbeitskleidung erinnert unweigerlich an das ikonische Outfit von Frances McDormands Figur Mildred in McDonaghs Meisterstück. Und wie Mildred hat auch Inga nach dem Verlust eines geliebten Menschen nichts mehr zu verlieren. Hákonarsons Inszenierung setzt indes auf isländisches Understatement.

Der 1977 geborene Filmemacher erzählt gelassen und elliptisch, mit kleinen gewitzten Aktionen statt groß angelegter Action. Inga setzt sich mit Courage und Chuzpe zur Wehr. Sie schlägt mit Blogeinträgen, einer Schaufel voll Mist und einer Ladung Milch zurück. Mit seinem Blick aufs Kleine zeigt Hákonarson, was im großen Ganzen schiefläuft. Stand die Genossenschaft ursprünglich für Mitsprache, Solidarität und Fairness, entscheiden inzwischen Einzelne, die nur am eigenen Profit interessiert sind. Eine Situation, die sich von einer ländlichen Gemeinde in Island freilich mühelos auf die Weltlage übertragen lässt.

Hauptdarstellerin Arndís Hrönn Egilsdóttir ist eine Naturgewalt, ein innerlich brodelnder Vulkan. Ihr Spiel überzeugt durch eine Mischung aus Zurückhaltung und Ausbruch und ganz besonders in den stillen Momenten. Hákonarson bringt aber nicht nur für seine Hauptfigur, sondern auch für deren Gegenspieler viel Liebe und Zärtlichkeit auf. Im Land aus Feuer und Eis ist eben nicht alles schwarz oder weiß, heiß oder kalt.

Fazit: Grímur Hákonarson liefert eine amüsante, lakonisch erzählte und überzeugend gespielte Gesellschaftssatire zwischen Gletschern, Vulkanen und Kühen ab. Diese Geschichte einer Einzelkämpferin kann sich sehen lassen.




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