VG-Wort

oder
Mein Vater, mein Sohn und der Kilimandscharo
Mein Vater, mein Sohn und der Kilimandscharo
© Aaron Moser/Rainer Blank

Kritik: Mein Vater, mein Sohn und der Kilimandscharo (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Eine Besteigung des 5895 Meter hohen Kilimandscharo stellt den Menschen vor große physische Herausforderungen. Der höchste Berg Afrikas liegt im Regenwald, aber mit zunehmender Höhe verändert sich das Klima und die Gipfelregion ist von Gletschern bedeckt. Der Reisejournalist Achill Moser und sein 27-jähriger Sohn Aaron Moser, der ebenfalls als Journalist und Fotograf arbeitet, haben eine gemeinsame Besteigung des Kilimandscharo in Angriff genommen. Dieser Film von Aaron Moser dokumentiert die Reise, die seinem Großvater Harry gewidmet ist. Der verstorbene Großvater hatte einst selbst den Berg erklommen.

So handelt der Film nicht nur von einer Reise nach Tansania und zum Kilimandscharo, sondern auch von einem Familienerlebnis. Achill und Aaron erzählen im Film abwechselnd von ihren Eindrücken und Gedanken. Achill erinnert sich an seinen Vater, den er erst mit 28 Jahren kennenlernte und mit dem er die Leidenschaft für das Reisen teilte. Achill und Aaron sind nicht gerade angenehm überrascht, als sie sehen, wie viele Touristen den Kilimandscharo besteigen. Der Rummel lässt nicht viel Gelegenheit zu beschaulichem Naturgenuss. Auch die soziale Hierarchie zwischen Touristen und den sich mit viel weniger Komfort begnügenden einheimischen Gepäckträgern stört die beiden Deutschen.

Aaron kommt auf seine humorvolle Art leicht in Kontakt mit den Massai-Männern, die sie begleiten. So kommen zwei Touristenführer und andere Angehörige des Volksstamms im Film zu Wort. Die Besteigung des Berges nimmt nur die zweite Hälfte des Films in Anspruch, was sich als gute Regie-Entscheidung erweist. Denn die stimmungsvolleren Bilder und Momente entstehen im ersten Teil, auf dem Achill und Aaron Moser durch Tansania reisen, in die Serengeti, zum Natronsee, zu einem entlegenen Massai-Dorf. Dabei werden sie auch von einem befreundeten Maler begleitet, der wie früher die Expeditionsmaler auf der Reise Bilder in freier Natur anfertigt.

Die Landschaft und die wilden Tiere lassen den Film auch für die Zuschauer zum Erlebnis werden und man versteht, warum Achill Moser so gerne zu Fuß unterwegs ist. Untermalt von passender Musik, überzeugt der Dokumentarfilm gerade auch wegen seiner persönlichen Note. Denn die Protagonisten nehmen die Umwelt mit wachen Augen auf, reflektieren, öffnen sich selbst ein Stück weit und genießen, trotz aller Anstrengungen, auch die Leichtigkeit des Reisens.

Fazit: Dreißig Jahre, nachdem er seinen Vater allein zum Kilimandscharo reisen lassen musste, nimmt Achill Moser nun mit seinem Sohn die Besteigung des höchsten Bergs Afrikas in Angriff. Der Dokumentarfilm von Aaron Moser erzählt von dieser Reise als einem besonderen Familienerlebnis. Vater und Sohn besichtigen vor der Bergexpedition ausgewählte Ziele in Tansania, lassen sich mit wachen Sinnen auf Natur, Land und Leute ein und kommen mit Massai-Männern ins Gespräch. Der ansprechende, stimmungsvolle Film überzeugt mit einem guten Verhältnis von Reiseeindrücken und Reflexionen auf der Beziehungsebene.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.