oder
Klavierstunden
Klavierstunden
© dejavu filmverleih

Kritik: Klavierstunden (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In Irland musizieren Klavierschüler nicht einfach so vor sich hin im privaten Unterricht, sondern können ein achtstufiges Lehrprogramm durchlaufen. Notenlernen, Fingergeläufigkeit, der Gebrauch der Pedale, der künstlerische Ausdruck werden in aufeinander aufbauenden Unterrichtsstufen geübt. Wer die nächsthöhere Stufe erreichen will, muss sich jeweils einer Prüfung unterziehen. Der Dokumentarfilmer Ken Wardrop stellt verschiedene Schüler und Schülerinnen und ihre Lehrkräfte vor. Dabei wird das schwierige Verhältnis von Spaß und Übungsarbeit beleuchtet, der Ehrgeiz der jungen und älteren Eleven, die Motivation der Lehrer und Lehrerinnen, welche die kleinen und großen Talente oft über viele Jahre fördern.

Wenn die Kinder über das Klavierspiel erzählen und mit ihren Lehrerinnen – denn die meisten der Lehrkräfte sind weiblich – zusammenkommen, entstehen oft humorvolle, herzliche Situationen. Oft überrascht schon die Paarkombination an sich, beispielsweise wenn eine fröhliche ältere Ordensschwester zwei jugendliche Brüder gemeinsam unterrichtet. Oder wenn ein erwachsener Mann, der sonst immer Heavy Metal spielt, zu einer bieder aussehenden Lehrerin geht, die ihm nun klassische Klaviermusik nahebringen soll. Man dürfe nie ungeduldig werden, lautet die Einstellung der erfahrenen Pädagogin, die Freude an der Musik solle stets im Mittelpunkt stehen.

Über die Jahre hinweg entwickeln sich die Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern, festigen sich. Ein Mädchen trägt ein Gedicht vor, dass es seiner geschätzten Lehrerin gewidmet hat. Wardrop beobachtet die Schüler im Unterricht und zuhause, beim Üben. Dort setzt er sie auch aufs Sofa und lässt sie, manchmal gemeinsam mit einem Elternteil, erzählen. Dabei lässt sich heraushören, welche positive Wirkung das Klavierspiel auf das individuelle Erleben hat.

Der Regisseur verzichtet auf eigene Kommentare, weshalb man auch wenig über die Hintergründe dieses achtstufigen Unterrichts erfährt. Den Zuschauern bleibt die Erkenntnis, wie viel Freude das Klavierspiel für Jung und Alt bedeuten kann. Die Musizierenden leben nicht in der Großstadt, wo man ein kunstaffines Bildungsbürgertum am ehesten erwarten würde, sondern im eher ländlichen Raum. Aus den Fenstern sieht man auf grüne Wiesen.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Ken Wardrop lässt sich von irischen Klavierschülern und -schülerinnen erzählen, warum sie die Mühsal des Übens auf sich nehmen, um dieses Instrument in der Freizeit zu erlernen. Auch die Lehrerinnen und Lehrer kommen zu Wort, die oft zu wichtigen Wegbegleitern werden. Die Beobachtungen im Unterricht und die Aussagen sind oft von einem feinen Humor durchzogen und zeigen, wie wichtig die zwischenmenschliche Ebene zwischen Schüler und Lehrkraft ist. Den Zuschauern vermittelt der unterhaltsame, locker-beschwingte Film einiges von der Begeisterung seiner Protagonisten für das Klavierspiel und von der positiven Wirkung, die es auf Geist und Seele ausüben kann.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.