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Mystify: Michael Hutchence
Mystify: Michael Hutchence
© 24 Bilder

Kritik: Mystify - Michael Hutchence (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Michael Hutchence‘ Leben endete 1997 mit nur 37 Jahren in einem Paris Hotel. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob Hutchence durch Suizid oder "versehentlich" durch einen autoerotischen Unfall (sprich: Selbstbefriedigung) starb. Ab 1989 sorgte er neben der Musik vor allem auch durch seine öffentlichkeitswirksamen Affären und Liebesbeziehungen für Schlagzeilen. Nach einer zweijährigen Beziehung mit Pop-Star Kylie Minogue war Hutchence vier Jahre lang mit Top-Model Helena Christensen zusammen. 1995 begann er eine Beziehung mit der populären englischen Moderatorin Paula Yates, die sich daraufhin von ihrem Mann, Sir Bob Geldof, trennte.

Mittels Interviews, Konzertszenen und privater Archivaufnahmen zeichnet Lowenstein das Porträt eines innerlich zerrissenen Mannes, der zeitlebens ein ambivalentes Verhältnis zu seiner Berühmtheit und dem Superstar-Status hatte. Eine komplexe, vielschichtige Persönlichkeit, die allerdings über derartige Strahlkraft und Ausstrahlung verfügte, dass Hutchence‘ Bühnenkarriere und Erfolg quasi vorgezeichnet waren.

Die große Stärke von "Mistify" sind die unzähligen originalen Archivaufnahmen, die die Privatperson Hutchence zeigen: hinter der Bühne, im Backstage-Bereich, im Studio, bei der Familie oder im Beisein seiner Lebensgefährtinnen. Diesen kommt eine besondere Bedeutung im Film zu. Einerseits sprach Lowenstein sehr ausführlich unter anderem mit Hutchence‘ Jugendliebe aus den 80er-Jahren, mit Helena Christensen und Kylie Minogue, die in langen Interview-Auszügen ihre Sicht auf die Person und die Charakterzüge von Hutchence darlegen. Andererseits sind sie in vielen sehr intimen, teils hochemotionalen Momenten zu sehen, die oft Hutchence selbst mit seiner Videokamera aufnahm. So sieht man etwa Hutchence und Minogue als frisch verliebtes Pärchen 1989, wie sie eine Reise mit dem Orient-Express unternehmen.

Sehr lobenswert ist, wie ausführlich und akkurat Lowenstein das tragischste Ereignis in Hutchence Leben herausarbeitet, dessen Folgen sein Wesen nachhaltig veränderten und zu vielen Jahren des Leids und der Depressionen führten: Nach einem Unfall 1992 und einer daraus resultierenden Hirnschädigung verlor Hutchence seinen Geschmacks-und Geruchssinn. Für einen Menschen wie Hutchence, der das Leben mit allen Sinnen intensiv aufsog und wahrnahm, eine Katastrophe.

Zwar spielt die Musik in "Mistify" auch eine Rolle, allerdings eine untergeordnete. Man sieht in erster Linie Konzertszenen und kurze Videoausschnitte, allen voran zur Schmacht-Ballade "Never tear us apart" (das Video zur Single inszenierte Lowenstein). Unverständlich ist, wieso man so viele der bekannten und großartigen Songs und Singles von Hutchence und INXS nur wenige Sekunden (von "Need you tonight" zum Beispiel gibt es nur ein kurzes Live-Riff) bis gar nicht hört. Natürlich soll es in "Mistify" um Hutchence und nicht um die Band gehen, dennoch wären Ausschnitte (und kurze Sequenzen aus Video-Clips) von "Suicide Blonde", "Kiss the dirt", "Beautiful girl", "Devil Inside", "New Sensation" oder auch "By my side" wünschenswert gewesen, um die künstlerische Ausdruckskraft und musikalischen bzw. stimmlichen Fähigkeiten von Hutchence in ihrer Gesamtheit zu verdeutlichen. Dies ignoriert der Film leider.

Fazit: Eine packende Reise in die Seele einer komplexen, ausdrucksstarken Künstlerpersönlichkeit mit nie gesehenen Privataufnahmen, seltenen Bildern, namhaften Gesprächspartnern und spannenden Einsichten. Die musikalische Seite vernachlässigt der Film jedoch, da er sich fast ausschließlich auf Live-Impressionen und einige wenige Song-Beispiele konzentriert.




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