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Der Weisse Massai Krieger
Der Weisse Massai Krieger
© Alpha Centauri Studios

Kritik: Der Weisse Massai Krieger (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wie leben die Massai in Kenia? Das Hirtenvolk, dessen Krieger mit rot gefärbten Haaren und Speeren einen malerischen Anblick in der afrikanischen Savanne bieten, pflegt seit Hunderten von Jahren eine eigene Kultur. Mit seinen Ritualen und dem naturnahen Leben in der Wildnis, in Nachbarschaft von Elefanten, Löwen und Nilpferden, hat es sich lange den Einflüssen der westlichen Zivilisation widersetzt. Doch die abgeschiedenen Dörfer sind nun auch vom Untergang bedroht, seit es immer mehr junge Massai in die Städte zieht.

Der Dokumentarfilm von Benjamin Eicher hält die traditionelle Lebensweise der Massai-Krieger, auf Anregung eines Dorfältesten, mit der Kamera fest. Zu diesem Zweck lässt sich Eicher selbst zum Massai-Krieger ausbilden und verbringt einige Zeit mit anderen jungen Kriegern. Er kleidet sich wie sie und lässt sich die Haare und den Körper mit roter Farbe behandeln. Geschlafen wird draußen im Freien.

Die kleine Gemeinschaft der angehenden jungen Krieger verbringt die Tage zusammen. Es wird gesungen und im sportlichen Wettkampf gerungen, man nähert sich versuchsweise wilden Tieren so weit, wie diese das zulassen. Eicher erfährt, dass die Massai-Krieger keine Wildtiere jagen oder essen. Massai-Krieger ziehen nicht mehr in den Krieg, sie versuchen, die Löwen und andere Raubtiere von den Herden des Stammes fernzuhalten.

Das Selbstexperiment absolviert Eicher mit Humor und Lockerheit. Er trinkt sogar, wie es Sitte ist, das Blut eines frisch geschlachteten Tieres. Im Gegenzug bekommen die Massai-Krieger sein mitgebrachtes Ketchup zu kosten. Leider kann sich Eicher auf Englisch mit den meisten gar nicht verständigen, sondern muss auf Anthony als häufigem Gesprächspartner und Übersetzer zurückgreifen. Man erfährt nicht, wie diese Männer im Alltag leben werden, ob sie, wie der Touristenguide Anthony, auch noch einer Erwerbstätigkeit außerhalb des Dorfes nachgehen wollen.

Im Dorf gibt es eine Schule, die Kinder zeigen stolz ihre Hefte vor. Trotz ihres Traditionsbewusstseins scheinen die Massai auch aufgeschlossen für Neues zu sein. Die Einblicke in die Krieger-Kultur der Massai sind zwar unterhaltsam, gehen aber nicht in die Tiefe, denn dafür findet zu wenig Dialog vor der Kamera statt. Die Schönheit der weiten Landschaft und ihr Reichtum an Tieren sorgen für imposante Bilder. Wenn Eicher berichtet, wie gefährlich Leoparden oder auch Nilpferde sind, erscheint sein Trip im freien Gelände noch abenteuerlicher.

Fazit: Um Traditionen und Rituale der Massai-Kultur mit der Kamera festzuhalten, lässt sich der Dokumentarfilmer Benjamin Eicher in einem Dorf in Kenia selbst zum Massai-Krieger ausbilden. Inmitten einheimischer, mit Speeren und Stöcken bewaffneter Nachwuchs-Krieger durchstreift er das freie Grasland, in dem Elefanten, Löwen und andere Wildtiere leben. Sein humorvoller Selbstversuch bietet seltene Einblicke in eine aussterbende Kultur, vertieft aber die einzelnen Eindrücke zu wenig.






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