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Kritik: Butenland (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilmer Marc Pierschel ("The End of Meat") stellt den norddeutschen Hof Butenland vor, auf dem ausrangierten Nutztieren ein würdevolles Leben ermöglicht wird. Die Betreiber Jan Gerdes und Karin Mück nehmen in ihren Gesprächsbeiträgen die moderne, auf Hochleistung getrimmte Milchviehhaltung nicht nur kritisch ins Visier, sondern stellen sie gänzlich infrage. Die Worte der Hofbetreiber und die Bilder von Tieren, die sich frei auf der Weide bewegen und manchmal kleine Freudensprünge vollführen, lassen das Publikum nicht unberührt.

Der Hof kam bereits 2013 in Pierschels Film "Live and Let Live" von 2013 vor. Auch dem neuen Film merkt man die engagierte Einstellung Pierschels gegen die Ausbeutung von Tieren an. Zu Anfang des Films widmet er sich auch recht ausführlich dem aktivistischen Hintergrund Karin Mücks. Anfang der 1980er Jahre war sie Mitglied einer militanten Gruppe von Tierversuchsgegnern, die Tiere aus Forschungslaboren befreite und sogar ein neues Forschungszentrum in Flammen setzen wollte.

Jan Gerdes hingegen kommt aus einer Bauernfamilie, er übernahm den elterlichen Hof und stellte auf Biolandwirtschaft um. Aber er merkte, wie er im Film erzählt, dass der Druck, zu wachsen und mehr zu produzieren, auch dort bestand und er zu viele Kühe halten musste. 2002 zog er einen Schlussstrich und gab die Landwirtschaft auf. Nach einem ersten Transport zum Schlachthof waren noch zwölf Rinder auf dem Hof geblieben. Den Entschluss, sie leben zu lassen, einfach so, fassten Gerdes und seine Lebensgefährtin Mück spontan: Der Gnadenhof nahm seinen Betrieb auf, der mit Spenden und Patenschaften finanziert wird.

Auf dem Hof haben alle Tiere einen Namen und ihre oft traurige Geschichte ist den Menschen bekannt. Einige der Tiere werden im Film vorgestellt, man sieht, wie gerne viele Kühe es mögen, von Mück und anderen Pflegern gestreichelt und liebkost zu werden. Ein Rind stößt wohlige Brummlaute aus, während es am Hals gekrault wird. Es gibt Statements prominenter Autoren und Künstler, die den Hof und sein Anliegen loben. Als Kontrast dienen Aufnahmen von landwirtschaftlichen Messen und Leistungsschauen, auf denen Kühe ihre dicken Euter präsentieren müssen. Man versteht, was Gerdes anfangs meinte, als er erzählte, er habe Kühe früher "wie Maschinen" gesehen. Die Tiere, die jetzt auf seinem Hof wohnen, erfahren endlich, dass das Leben auch schön sein kann.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Marc Pierschel stellt den norddeutschen Hof Butenland vor, der ausrangierten Rindern aus landwirtschaftlichen Betrieben einen schönen Ruhestand ermöglicht. Die Tiere können sich frei bewegen, werden versorgt und erhalten Streicheleinheiten. Der ehemalige Landwirt Jan Gerdes und die Aktivistin Karin Mück, die den Hof leiten, erzählen über ihre Motivation und wie das Projekt entstand. Der Film berührt mit seinen Bildern glücklicher Kühe und setzt auf diese Weise selbst ein Zeichen gegen eine auf Hochleistung getrimmte Milchviehhaltung.




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