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Gundermann Revier
Gundermann Revier
© barnsteiner-film

Kritik: Gundermann Revier (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der Liedermacher Gerhard Gundermann, in den Medien oft als "Bob Dylan vom Tagebau" oder "Stimme des Ostens", bezeichnet, galt als Sprachroher der Menschen und Arbeiter im Lausitzer Braunkohlerevier. Seine erste Solo-LP entstand 1988, zuvor war er aber bereits viele Jahre in Bands und Singclubs aktiv. Der Musiker, der 1998 im Alter von nur 42 Jahren starb, befasste sich in seinen Texten oft mit dem Tod, Sterben, Schmerz, Heimat und Politik.

"Gundermann Revier" ist kein klassischer Dokumentarfilm, der sich auf die gängigen Elemente und Genre-Versatzstücke verlässt. Vielmehr schlägt die kluge, hintersinnige Reflexion über unterschiedliche Lebenskonzepte, Ansichten sowie Identität gekonnt den Bogen von der "klassischen Gundermann-Ära" (die späten 80er und frühen 90er-Jahre) bis in die Jetztzeit. Und damit zeigt der Film den hohen Wert auf, den Gundermann und seine Texte heute noch für viele Menschen besitzen. Oder besser gesagt: heute mehr denn je.

Dass Gundermanns sozial- und gesellschaftskritische, vielschichtige Texte ihrer Zeit voraus waren, lässt sich anhand der vielen im Film untergebrachten Gundermann-Songs nachhören –mal in Form von originalen Live-Aufnahmen der damaligen Zeit oder anhand der vom Bürgerchor vorgetragenen Stücke. Daneben erinnern sich in vielen interessanten, sehr persönlichen Gesprächen frühere Begleiter und Mitmusiker an einen ganz und gar außergewöhnlichen Querdenker und Künstler. Darunter Gundermanns ehemalige Lehrerin, sein Techniker, die Silly-Musiker Uwe Hassbecker und Ritchie Barton sowie Ex-Mitglieder der Brigade Feuerstein, einem ab 1978 bestehenden Musik- und Künstlerkollektiv.

Heimliches Highlight des Films sind die unzähligen, zuvor nie veröffentlichten Privataufnahmen, die Gundermann als jungen Mann u.a. hinter den Kulissen von Festivals, Auftritten, bei Gesprächen oder einfach nur in seiner Freizeit zeigen.

Fazit: Einfühlsam umgesetzter und zutiefst menschlicher Film über einen beachtlichen Künstler und genauen Beobachter seiner Zeit und ihrer Verhältnisse.




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