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Die perfekte Kandidatin (2019)

The Perfect Candidate

Schritt für Schritt: saudi-arabisches Drama über eine Ärztin, die sich gegen das Patriarchat zur Wehr setzt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Maryam (Mila Al Zahrani) wohnt mit ihrem Vater, dem Musiker Abdulaziz (Khalid Abdulraheem), und ihren Schwestern Selma (Dae Al Hilali) und Sara (Nora Al Awadh) in einer kleinen Stadt in Saudi-Arabien. Jeden Morgen stapft die junge Ärztin durch Dreck und Schlamm. Denn die Zufahrt zum Krankenhaus, in dem sie arbeitet, ist nicht asphaltiert. Ihre Beschwerden darüber verhallen. Und auch sonst läuft es nicht rund. Gegenüber männlichen Kollegen und Patienten muss sie sich jeden Tag aufs Neue beweisen. Bei einem anstehenden Ärztekongress in Dubai will sie sich deshalb auf eine Stelle in der Hauptstadt Riad bewerben. Doch dann kommt alles anders.

Über Umwege und einen Zufall landet Maryam auf der Liste für die Gemeinderatswahl. Bei ihren Schwestern kommt das zunächst gar nicht gut an. Während die ältere Selma, die erfolgreich als Hochzeitsfilmerin arbeitet, Einbußen durch ausbleibende Kundschaft befürchtet, bangt die jüngere Sara um ihren guten Ruf. Letztlich unterstützen sie Maryam aber bei ihrem Wahlkampf. Abdulaziz bekommt all das nur am Rande mit. Gemeinsam mit seiner Musikgruppe tourt er durchs Land und bekommt dabei ganz andere Probleme.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Haifaa Al-Mansour ist eine Filmpionierin. Ihre saudisch-deutsche Co-Produktion "Das Mädchen Wadjda" (2012) war nicht nur der erste Spielfilm einer saudi-arabischen Regisseurin, es war auch der erste vollständig in Saudi-Arabien realisierte Kinofilm überhaupt. Der Erfolg ihres Debüts brachte Aufträge im Ausland. Und auch hier blieb Al-Mansour einer weiblichen Perspektive treu. Sie drehte "Mary Shelley" (2017), ein Biopic über die "Frankenstein"-Autorin, und die Romanadaption "Alte Zöpfe" (2018), eine Netflix-Romcom aus Sicht einer verlassenen Frau. Nun kehrt sie zu ihren Anfängen zurück.

Drehte sich "Das Mädchen Wadjda" um eine Elfjährige, steht in "Die perfekte Kandidatin" eine Erwachsene im Zentrum. Beider Wünsche fordern das System heraus. Für manche Männer ist bereits Maryams Berufswahl eine Provokation. Nicht jeder will sich von einer Frau untersuchen, geschweige denn behandeln lassen. Ihre Kandidatur zum Gemeinderat strapaziert schließlich selbst gemäßigte Gemüter. Dabei wollte sich Maryam ursprünglich gar nicht um das kommunalpolitische Amt, sondern auf eine Stelle als Ärztin in Riad bewerben. Der Filmtitel ist vieldeutig, scheint Maryam (als Stellvertreterin für alle saudi-arabischen Frauen) doch in vielen Belangen perfekt (geeignet) zu sein.

Al-Mansour inszeniert das ruhig und unaufgeregt. Ihr Kameramann Patrick Orth zeigt Innenräume und Landschaften in warmen Farben. Komponist Volker Bertelmann setzt seine Musik nur vereinzelt und sehr dezent ein. Die Stücke, die Maryams Vater während seiner Konzerttournee spielt, dominieren. Dieser Wechsel von traditionellen und modernen Tönen passt gut. Der dezente Einsatz der formalen Mittel unterstreicht die Entwicklung der Protagonistin, die zwar immer entschlossener, aber stets behutsam vorgeht und dabei einen Schritt nach dem anderen macht.

Als Land ohne eigene Filmtradition versammelt Al-Mansour in ihrem leisen Drama viele frische, unverbrauchte Gesichter. Dabei kann sie sich voll und ganz auf die Newcomerinnen Mila Al Zahrani, Dae Al Hilali und Nora Al Awadh verlassen, die die drei Schwestern spielen. Besonders Al Zahrani in der Titelrolle beeindruckt durch ihr zurückhaltendes, aber nachdrückliches Spiel. Ihr Gesicht ist eines von vielen Gesichtern des Wandels. Denn durch all die Ungleichheit und Bigotterie (Frauen dürfen Auto fahren und Ärztinnen werden, aber nicht ohne Erlaubnis eines Mannes das Land verlassen) schimmert bei Al-Mansour stets die Hoffnung hindurch. Mit ihrer Protagonistin, die ihren Nikab irgendwann ablegt, öffnet sich auch die Gesellschaft. Zumindest ein bisschen.

Fazit: Nach zwei Filmen im Ausland wendet sich die Regisseurin Haifaa Al-Mansour wieder ihrer saudi-arabischen Heimat zu. Ihr jüngstes Drama erzählt unaufgeregt, aber nachdrücklich von der Emanzipation einer Ärztin. Versiert inszeniert, toll gespielt, sehenswert.




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FBW: besonders wertvollSchon das erste Bild dieses Films ist ein Statement: Vor kurzem war es in Saudi-Arabien für eine Frau noch gegen das Gesetz, ein Automobil zu steuern. Doch in DIE PERFEKTE KANDIDATIN fährt die Protagonistin Maryam tief verschleiert, aber ganz [...mehr]

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Saudi-Arabien, Deutschland
Jahr: 2019
Genre: Drama
Länge: 101 Minuten
Kinostart: 12.03.2020
Regie: Haifaa Al-Mansour
Darsteller: Nora Al Awadh als Sara, Dae Al Hilali als Selma, Mila Al Zahrani als Maryam
Verleih: Neue Visionen

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