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© Kunsthochschule für Medien Köln

Kritik: In Search... (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Beryl Magoko hatte großes Pech. Kurz nachdem sie in Kenia beschnitten worden war, kamen Männer in die Schule und klärten die Kinder darüber auf, welches Unheil ein solcher Eingriff anrichtet. Beryl fühlte sich erst recht betrogen, denn nun wusste sie, dass ihr dieses Schicksal um ein Haar hätte erspart bleiben können. Die Aufklärung kam einfach zu spät. Ihren Dokumentarfilm widmet die Afrikanerin, die in Deutschland lebt, ihrer Mutter und den "mehr als 200 Millionen Frauen, die weibliche Genitalverstümmelung überlebt haben", wie es vor dem Abspann heißt.

Das Besondere an diesem Film ist, dass er von einer Betroffenen stammt. Magoko befragt nicht einfach Leidtragende und Experten, sondern setzt sich filmisch mit ihrem eigenen Trauma auseinander. Sie tut das im Gespräch mit anderen Frauen, die die Beschneidung oder besser gesagt, Verstümmelung, als junge Mädchen erlitten. Im Film wird in den Gesprächen, die oft auf Englisch geführt werden, das Kürzel FGM – Female Genital Mutilation – verwendet, welches klarer benennt, was den Mädchen zwangsweise angetan wurde und in manchen traditionellen Gesellschaften auch immer noch praktiziert wird. Die Gespräche helfen Magoko aus der seelischen Isolation. Magoko erfährt, dass es anderen ähnlich ergeht wie ihr selbst. Dass auch andere Frauen unter mangelndem Selbstbewusstsein leiden, wegen der früh erlittenen, gegen das Frausein gerichteten Gewalt. Sie ist unter anderem die Ursache für starke Menstruationsschmerzen und natürlich für das eingeschränkte sexuelle Lustempfinden.

Es fällt Magoko schwer, mit ihrer Mutter darüber zu sprechen – das Thema ist traditionell tabuisiert. Aber die Dokumentarfilmerin bricht bewusst und engagiert mit diesem ungeschriebenen Gesetz. Sie thematisiert selbst ihre bange Frage, ob ihr die wiederherstellende Operation nicht nur eine weitere Verletzung zufügen würde. Oft entstehen von großer Offenheit geprägte Zweiersituationen. Einmal zeigen sich eine Filmkollegin und sie gegenseitig ihre Scham, ein anderes Mal kommt sie in der Klinik mit einer Patientin ins Gespräch, die sich einer rekonstruierenden Operation unterzogen hat und darüber sehr glücklich ist. Endlich habe sie ihre Würde wieder hergestellt, sagt die Frau. Dieser aufklärende, aufrichtige Film ermutigt genitalverstümmelte Frauen, sich mit der erlittenen Verletzung auch psychisch und geistig zu befassen und ein heilsames Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Fazit: In ihrem Dokumentarfilm setzt sich die aus Kenia stammende Regisseurin Beryl Magoko mutig und offen mit der erlittenen Genitalverstümmelung auseinander. Sie sucht das Gespräch mit anderen betroffenen Frauen und begibt sich dabei exemplarisch auf einen seelisch schmerzhaften Weg der Selbstfindung. Dazu gehört der Dialog mit der eigenen Mutter, aber auch die Entscheidung für oder gegen eine rekonstruierende Operation. Die persönliche Ebene verleiht dem Film aufrüttelnde Kraft und aufklärerische Glaubwürdigkeit.




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