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Jenseits des Sichtbaren - Hilma af Klimt
Jenseits des Sichtbaren - Hilma af Klimt
© mindjazz pictures

Kritik: Jenseits des Sichtbaren - Hilma af Klimt (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die in Berlin geborene Produzentin und Filmemacherin Halina Dyrschka nähert sich in "Jenseits des Sichtbaren" auf behutsame Weise einer komplexen, vielschichtigen Künstlerpersönlichkeit, die ihrer Zeit weit voraus war. Es entsteht das Bild einer seit frühester Jugend innerlich getriebenen, hochintelligenten Frau, die das Pech hatte, in einer Zeit zu leben, in der patriarchale Strukturen allgegenwärtig waren. Nicht zuletzt in der Kunstwelt. Dass af Klint von vielen (männlichen) Zeitgenossen nicht ernst genommen wurde belegen Interviews mit Kunsthistorikern und anderen Experten sowie Auszüge aus privaten Berichten und Notizbüchern.

Vor allem die Tatsache, dass die an Okkultismus, Theosophie (die Wissenschaft der übersinnlichen Tatsachen) und naturphilosophischen Themen interessierte af Klint als Medium fungierte, rief Kritiker auf den Plan. Sie bezeichneten ihre Art zu arbeiten nicht selten als zu wenig ausgereift, ihre medialen Eingebungen als übernatürlichen Humbug. Darunter auch der Vertreter der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft. Af KliNt bat Steiner eigentlich nur um eine sachliche Beurteilung und Analyse ihrer Werke, stattdessen hatte er nur Kritik übrig – und machte dennoch Fotos von ihren Bildern, die er im Anschluss keinem geringeren als Wassily Kandinsky gezeigt haben soll. Dieser wird häufig (und nach eigenen Angaben) als Schöpfer des ersten abstrakten Bildes der Welt angsehen.

Dass dies jedoch nicht der Wahrheit entspricht zeigen die schier unglaublichen Ähnlichkeiten, die viele von Kandinskys Bildern mit den ersten abstrakten Arbeiten af Klints aufweisen. Überhaupt bringen diese direkten Gegenüberstellungen beachtliche Erkenntnisse. Viele Werke weiterer großer Künstler verfügen über eklatante Gemeinsamkeiten (von einzelnen Objekten und Elementen bis hin zur Farbgebung und dem kompletten Aufbau) mit af Klints Bildern. Sogar die ikonischen Pop-Art-Siebdrucke Andy Warhols nahm die Schwedin in gewisser Weise vorweg.

Darüber hinaus liefern spannende Gespräche und informative Interviews mit ehemaligen Weggefährten sowie Nachfahren der Künstlerin erhellende Einblicke in ein Künstlerleben, das viel zu lange ignoriert wurde. Nicht zuletzt auch von den großen Museen der Welt (darunter das MoMA in New York), die sich aus fadenscheinigen, schwer nachvollziehbaren Gründen af-Klint-Ausstellungen und damit dem wegweisenden Gesamtwerk der Malerin verweigerten.
Fazit: Faszinierende Doku über eine Pionierin der abstrakten Kunst, die ihren männlichen Künstler-Kollegen in vielen Bereichen weit voraus war.




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