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Kritik: Looking at the Stars (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Auch wenn sie nichts sehen können, richten die Ballerinen in Fernanda Bianchinis Tanzschule ihren Kopf stets nach oben, als ob sie zu den Sternen blicken würden. Bianchini und ihre Angestellten vermitteln diese perfekte Pose wie alles in ihrem Unterricht über Berührungen. Ihre Schülerinnen lernen schnell. Das Ergebnis ist verblüffend. Dass die Tänzerinnen blind sind, sieht man ihren Bewegungen auf der Bühne nicht an.

Alexandre Peralta liefert mit "Looking at the Stars" sein Langfilmdebüt als Regisseur ab. Es baut auf seinem zwei Jahre zuvor umgesetzten, gleichnamigen Kurzdokumentarfilm auf. Dieser nahm lediglich die Chefin in den Blick, die erweiterte Variante rückt nun auch das Leben der Tänzerinnen Geyza Pereira und Thalia Macedo in den Fokus.

Peralta begleitet die Hauptakteure seines Films unaufgeregt und kommentarlos. Auf Interviews verzichtet er ganz. Stattdessen erzählen Geyza und Thalia in Alltagssituationen von ihrem schwierigen, aber erfüllten und glücklichen Leben. Es ist bewundernswert, wie sie dieses meistern, wie sie mit Rückschlägen umgehen und sich nicht von gesellschaftlicher Teilhabe abhalten lassen. Ihre Freude beim Tanzen überträgt sich mühelos aufs Publikum.

In seinen beobachtenden Modus streut der Regisseur hin und wieder kleine Inszenierungen ein. Dann tanzt Geyza im Tutu mitten in São Paulo auf einer verlassenen Straße oder Thalia in ihrer leeren Schule. In diesen Szenen manifestiert sich die zweite Bedeutung des Filmtitels. Nicht nur die Tänzerinnen schauen zu den Sternen, auch das Kinopublikum sieht echten Stars zu. Trotz ihrer körperlichen Einschränkung scheinen die Sterne am Ende zum Greifen nah.

Fazit: "Looking at the Stars" blickt auf bewundernswerte Sterne am Tanzhimmel. Alexandre Peraltas erster langer Dokumentarfilm ist voller Lebensfreude und erstaunlicher Leistungen. Dabei verschließt er die Augen vor den Schattenseiten nicht, macht aber Mut, dass sich Menschen mit körperlichen Einschränkungen nicht unterkriegen lassen.




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