VG-Wort

oder
Dilili in Paris
Dilili in Paris
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Dilili in Paris (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Acht Jahre nach dem Computeranimationsfilm "Kiriki und die Männer und Frauen" meldet sich Trickfilm-Spezialist und Regisseur Michel Ocelot zurück. Der 76-Jährige stellt hier vor allem Fragen nach der Angst vor Entfremdung, der eigenen Identität und Zugehörigkeit. Themen und Inhalte, die heute aktueller sind denn je. All dies gibt "Dilili in Paris" als komplexen und tiefgründigen Animationsfilm zu erkennen, der zum Nachdenken anregt und den Bogen in die Gegenwart schlägt.

Doch zunächst überwiegt eine freudvolle, regelrecht euphorische Grundstimmung, die sich vor allem bei Dililis Ankunft in Paris zeigt. In den Szenen, in denen sie ihren Enthusiasmus und ihre Begeisterung förmlich herausschreit, wirkt ihre Lebensfreude höchst ansteckend. Mit ebensolchem Tatendrang geht sie bei der Auflösung der Entführungsfälle zu Werke. Auch wenn Ocelot spätestens ab der Mitte des Films das Rätsel um die verschollenen Mädchen sowie die "Ermittlungen" der beiden Hauptfiguren leider immer mehr vernachlässigt. Das mag daran liegen, dass diese Entführungsfälle, in denen ein mysteriöser Geheimbund verstrickt ist, dem Film ohnehin schon eine dunkle, düstere Note verleihen – und Ocelot sein Werk daraufhin nicht noch unheilvoller und bedrohlicher erscheinen lassen wollte, in dem er den erzählerischen Schwerpunkt gänzlich auf die Tätersuche legt.

Vielmehr konzentriert er sich auf die Darstellung der goldenen Ära der Belle Époque. Jener, rund 30 Jahre währenden Phase in der Geschichte Europas, in der es in vielen Ländern zum wirtschaftlichen Aufschwung kam und die Menschen von Kriegen verschont blieben. Die Kunst blühte auf und man genoss das Leben in den Varietés, Cafés, Konzertsälen und Galerien – vor allem in Paris. An dieser Stelle beweist Ocelot große Sorgfalt und viel Liebe zum Detail, wenn Dilili im berühmten Moulin Rouge einkehrt, die prachtvolle Pariser Oper besucht oder über die Wucht und Größe des gerade erbauten Eiffelturms staunt. Darüber hinaus geben sich einige der bekanntesten Künstler, Wissenschaftler, Schriftsteller Revolutionäre und Ingenieure der damaligen Zeit ein wahres Stelldichein.

Fazit: Der Animationskünstler Michel Ocelot taucht in seinem raffinierten und mit fotorealistischen Hintergründen ausgestatteten Trickfilm "Dilili in Paris" zwar in eine längst vergangene Epoche ein – beweist mit den aufgeworfenen Fragen und Themen seines neuen Films aber erstaunliche Aktualität. Leider verliert er mit zunehmender Laufzeit einen der wichtigsten Handlungsstränge vermehrt aus den Augen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.