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Spuren - Die Opfer des NSU
Spuren - Die Opfer des NSU
© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Spuren - Die Opfer des NSU (2019)

Dokumentarfilm von Aysun Bademsoy über die Angehörigen der Opfer der rechtsextremen Terrorgruppe NSU...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse ??? / 5

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Zwischen September 2000 und April 2007 wurden acht Männer mit türkischen Wurzeln, ein griechischstämmiger Mann sowie eine deutsche Polizistin ermordet. Die Ermittlungen wurden zunächst ausschließlich im Umfeld der nicht-deutschen Opfer mit Verdacht auf Drogenhandel und organisierte Kriminalität geführt. Die Familien der Ermordeten wurden so ein weiteres Mal zu Opfern, diesmal von vorurteilsvoller Stigmatisierung. Nach einem gescheiterten Bankraub führte die Spur schließlich zu der rechtsextremen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU). Nach dem Suizid der beiden Haupttäter begann 2013 der Prozess gegen die einzige Überlebende des NSU-Trios, Beate Zschäpe, sowie vier mutmaßliche Helfer und Unterstützer und endete 2018. Die zu milden Strafen für die Mitangeklagten und die zahlreichen ungeklärten Fragen ließen die Angehörigen der Opfer enttäuscht und desillusioniert zurück. Ihr Glaube an den Rechtsstaat ist grundlegend erschüttert.

Spuren – das sind nicht nur die Hinweise, die Verbrecher am Tatort hinterlassen, sondern auch die Verletzungen und Narben, die ihre Taten bei den Angehörigen der Opfer, in den migrantischen Gemeinschaften und in der gesamten deutschen Gesellschaft verursachen. In ihrem Dokumentarfilm begibt sich die türkischstämmige Regisseurin Aysun Bademsoy auf die Suche nach diesen Spuren und stellt sich dabei die Frage, welcher Prozess diese Verletzungen überhaupt heilen könnte. SPUREN – DIE OPFER DES NSU beleuchtet das Scheitern von Ermittlern und Justiz – und gibt den Angehörigen der Opfer endlich eine Stimme.

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2019
Genre: Dokumentation
Länge: 81 Minuten
Kinostart: 13.02.2020
Regie: Aysun Bademsoy
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

ZusatzinformationAlles anzeigen

9. SEPTEMBER 2000
Enver Şimşek, Inhaber eines Blumengroßhandels im hessischen Schlüchtern, wird am Rande einer Ausfallstraße im Osten Nürnbergs, wo er seinen mobilen Blumenstand in [...mehr] einer Parkbucht aufgebaut hat, mit acht Schüssen aus zwei Pistolen niedergeschossen. Er stirbt zwei Tage später im Krankenhaus. Der 38-Jährige war 1986 aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Es ist der Beginn einer Mordserie, der in den folgenden sieben Jahren acht weitere unbescholtene, der Polizei unbekannte Ehemänner, Familienväter, Brüder zum Opfer fallen sollen sowie eine Polizistin.

13. JUNI 2001
Abdurrahim Özüdoğru, Betreiber einer Änderungsschneiderei in der Nürnberger Südstadt, wird in seinem Ladengeschäft mit zwei Kopfschüssen getötet. Er ist 49 Jahre alt; 1972 immigrierte er aus der Türkei nach Deutschland.

27. JUNI 2001
Süleyman Taşköprü, Obst- und Gemüsehändler, wird in Hamburg-Bahrenfeld im Laden seines Vaters mit drei Schüssen aus zwei Waffen getötet. Der 31-Jährige stammte aus dem türkischen Afyonkarahisar und hatte eine dreijährige Tochter.

29. AUGUST 2001
Habil Kılıç, 38-jähriger Inhaber eines Obstund Gemüsehandels in München-Ramersdorf, wird in seinem Geschäft am helllichten Tag erschossen. Nicht einmal 100 Meter von dem Laden entfernt befindet sich eine Polizeiwache.

25. FEBRUAR 2004
Mehmet Turgut, wird an einem DönerKebab-Imbiss im Rostocker Ortsteil Toitenwinkel mit drei Kopfschüssen getötet. Der 25-Jährige aus der Türkei war zu Besuch bei einem Freund in Rostock, für den er spontan die Öffnung des Imbisses am Vormittag übernommen hatte. Bis zehn Tage vor der Tat hatte er in Hamburg gelebt.

9. JUNI 2004
In der Keupstraße in Mülheim (Köln) wird ein Anschlag mit einer Nagelbombe verübt. Am Tatort befinden sich viele türkische Geschäfte. 22 Personen werden verletzt, einige davon lebensgefährlich. Da die Ermittler keine gezielte Opferwahl erkennen, wird ein terroristischer Hintergrund zunächst ausgeschlossen.

9. JUNI 2005
İsmail Yaşar, 50-jähriger Inhaber eines Döner-Kebap-Imbisses, wird in seinem Verkaufsstand in der Nürnberger Scharrerstraße mit fünf Schüssen in Kopf und Oberkörper getötet. Zeugen bemerken zwei sich auffällig verhaltende Männer mit Fahrrädern in Tatortnähe. Der Imbiss befindet sich gegenüber einer Schule.

15. JUNI 2005
Theodoros Boulgarides, 41-jähriger Mitinhaber eines Schlüsseldienstes aus Griechenland, wird in seinem Geschäft in München-Westend erschossen. Die örtliche Boulevardpresse schreibt nach dem Mord: "Türken-Mafia schlug wieder zu". 4. APRIL 2006
Mehmet Kubaşık, Besitzer eines Kiosks, wird in seinem Geschäft in der Dortmunder Nordstadt getötet. Der 39-Jährige ist Deutscher türkischer Herkunft.

6. APRIL 2006
Halit Yozgat, Betreiber eines Internetcafés und türkischstämmiger Deutscher, wird in seinem Geschäft in Kassel durch zwei Kopfschüsse getötet. Er ist 21 Jahre alt. Während der Tat befindet sich Andreas Temme, Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, im Café, der sich nicht als Zeuge meldet und erst später durch die Polizei ermittelt wird.

11. JUNI 2006
Türkische Kulturvereine organisieren einen Schweigemarsch in Dortmund, gedenken der neun Opfer der Mordserie und rufen die Behörden auf, ein zehntes Opfer zu verhindern.

25. APRIL 2017
Die 22-jährige Bereitschaftspolizistin Michèle Kiesewetter wird in ihrem Dienstwagen bei der Heilbronner Theresienwiese erschossen. Ihr Kollege überlebt einen Kopfschuss schwer verletzt. Die Ermittlungen führen auf falsche Spuren.

NOVEMBER 2011
Die rechtsextreme Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) wird aufgedeckt. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt werden nach einem Bankraub am 4. November 2011 in Eisenach tot aufgefunden. In einer ausgebrannten Wohnung in Zwickau, in der Mundlos, Böhnhardt und Beate Zschäpe gewohnt haben, wird unter anderem eine mehrfach vervielfältigte DVD gefunden, die als Bekennervideo die Serie von Tötungsdelikten belegt. Am 11. November 2011 übernimmt die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Auf deren Antrag erlässt der Bundesgerichtshof am 13. November 2011 Haftbefehl gegen Zschäpe wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

8. NOVEMBER 2012
Die Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen Zschäpe, unter anderem wegen Mittäterschaft in zehn Mordfällen, besonders schwerer Brandstiftung und Gründung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, sowie gegen Ralf Wohlleben und Carsten Schultze wegen Beihilfe in neun Mordfällen, André Eminger wegen Beihilfe zum Sprengstoffanschlag in Köln, wegen Beihilfe zum Raub und Unterstützung der terroristischen Vereinigung in jeweils zwei Fällen, und Holger Gerlach wegen Unterstützung der terroristischen Vereinigung in drei Fällen.

6. MAI 2013
Der NSU-Prozess vor dem 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts München beginnt. Er gilt als wichtigster Strafprozess seit der Wiedervereinigung und als der größte und kostspieligste, der bis dato in Deutschland gegen Neonazis geführt wurde.

11. JULI 2018
Der NSU-Prozess endet als einer der längsten nach den Nürnberger Prozessen. Zschäpe wird zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellt die besondere Schwere ihrer Schuld fest. Die vier als NSUHelfer Mitangeklagten werden ebenfalls zu Freiheitsstrafen verurteilt: Wohlleben zu zehn Jahren, Schultze zu drei Jahren Jugendstrafe, Gerlach zu drei Jahren, Eminger zu zwei Jahren und sechs Monaten. Eminger wird noch am selben Tag aus der Untersuchungshaft entlassen, was zu Jubel unter den im Publikum anwesenden Neonazis führt. Wenige Tage später, am 18. Juli 2018, wird auch der bekennende Neonazi Wohlleben nach sechs Jahren und acht Monaten vorzeitig aus der Untersuchungshaft entlassen.



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