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Sunburned (2020)

Coming-of-Age-Drama über eine Dreizehnjährige, die am Strand in Andalusien einen geflüchteten Jungen aus dem Senegal kennenlernt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.8 / 5

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Claire (Zita Gaier) macht mit der älteren Schwester Zoe (Nicolais Borger) und der Mutter (Sabine Timoteo) Sommerurlaub am Mittelmeer. In der andalusischen Bettenburg mit den Strandliegen, dem Pool und der abendlichen Freiluftdisco fühlt sich die 13-Jährige ziemlich verloren. Zoe hat keine Lust, sich mit ihr abzugeben, sondern trifft sich lieber mit einem Jungen. Und die Mutter lernt ebenfalls einen Mann kennen, der ihr schöne Augen macht.

Sich selbst überlassen, sucht Claire den Kontakt mit dem Strandverkäufer Amram (Gedion Oduor Wekesa), der ihr eine Kette verkauft hat. Der Teenager aus dem Senegal ist ohne seine Familie nach Spanien gekommen und wohnt nun in einem illegalen Flüchtlingscamp in der Nähe. Er möchte, dass Claire ihn heiratet und mit nach Deutschland nimmt. Claire erkundet gerne mit ihm die Gegend mit den Klippen, abseits der Touristenhochburg. Sie spielt Fangen, drückt ihm plötzlich einen Kuss auf den Mund. Ungelenk tastet sich Claire auch an die Vergnügungen anderer Mädchen aus dem Hotel heran, entdeckt die Lust am Tanzen. Doch dann droht der Bruch mit Amram. Ein unüberlegter Versuch Claires, ihm zu helfen, bewirkt das Gegenteil.

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Sunburned - Flora Li Thiemann, Zita Gaier, Anima SchwinnSunburned - Nicolais Borger, Sabine TimoteoSunburnedSunburnedSunburned -Sunburned - Zita Gaier


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Ein romantischer, unschuldiger Zauber liegt über dieser Coming-of-Age-Geschichte, in der ein Mädchen in den Sommerferien ihren Abschied von der Kindheit nimmt. Die schwedische, in Berlin lebende Regisseurin und Drehbuchautorin Carolina Hellsgård erzählt feinfühlig und realitätsnah vom allmählichen sexuellen Erwachen der 13-jährigen Claire und ihrem Gefühl, im Hotelurlaub in Andalusien zwischen allen Stühlen zu sitzen. So sprunghaft wie die einsame, oft sich selbst überlassene Jugendliche ihren Einfällen und Launen folgt, wechselt auch die Atmosphäre des Dramas zwischen kühlem Realismus und zärtlicher Poesie. Der realistische Ansatz geht hier so weit, in Claires Ferienabenteuer einen geflüchteten Jungen aus Afrika einzubeziehen, der sich als Strandverkäufer durchzuschlagen versucht.

Teenager kennen das Gefühl, in einer unbekannten Welt gelandet zu sein. Claire erlebt es nicht nur in der Hotelanlage. Sie begegnet auch der ihr gänzlich fremden Welt von Amram, der verzweifelt Geld verdienen will. Claire sieht, dass Amram eine drastische soziale Schranke von den Vergnügungen der Hotelgäste trennt. Aber die beiden Außenseiter entdecken, während sie sich anfreunden, auch starke Gemeinsamkeiten: Sie vermissen beide ihren Vater, sie erkunden gerne die Gegend mit ihrer kargen, imposanten Landschaft, sie sehnen sich nach Nähe und neuen Erfahrungen.

Claire pendelt immer zwischen zwei Welten, ist mal verspieltes Kind, mal Discomaus mit anderen Teenagern im Resort. Dann will sie wieder mit Amram zusammen sein. Claires oft wortloses, spähendes Erproben neuer Wege wird von Zita Gaier gut gespielt und zudem von der Kamera aufregend eingefangen.

Oft trennt eine Glasfront, ein Vorhang Claire von der Kamera oder vom Geschehen, oder ihr Gesicht ist dem Spiel mit Licht und Farben ausgeliefert. Die Farbe Himmelblau signalisiert abwechselnd etwas Kindliches, Unnatürliches, Überirdisches. In den Zimmern herrscht ein bläuliches Licht, vor dem weißen Hotel mit den wabenartigen Balkonen ruht das Meer, Claire trägt ein hellblaues Bikini-Oberteil. Hellsgård trifft in diesem Drama den richtigen Ton, wenn sie sich in die Perspektive einer Jugendlichen hineinversetzt.

Fazit: Dieses Coming-of-Age-Drama über ein pubertierendes Mädchen, das mit dem Strandurlaub in Andalusien fremdelt, besticht mit seiner gelungenen Mischung aus Realismus und atmosphärischem Zauber. Ihr Gefühl, Außenseiterin zu sein, lässt die junge, von Zita Gaier beeindruckend gespielte Deutsche die Nähe zu einem jugendlichen Strandverkäufer aus Afrika suchen. Die von unschuldiger Romantik begleitete Freundschaft führt beide an die soziale Barriere, die zwischen ihnen liegt, heran. Die Regisseurin Carolina Hellsgård inszeniert die Neugier der Hauptfigur auf die Welt und ihre Selbsterforschung als spannenden Balanceakt jenseits großer Worte.




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Land: Polen, Deutschland
Jahr: 2020
Genre: Drama
Länge: 92 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 02.07.2020
Regie: Carolina Hellsgård
Darsteller: Sabine Timoteo, Zita Gaier, Malik Blumenthal
Verleih: Camino

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