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Kritik: Der letzte Mieter (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit seinem Kinofilmdebüt "Der letzte Mieter" hat Gregor Erler einen unabhängig produzierten, vergleichsweise niedrig budgetierten Mix aus Psychodrama und Action-Thriller geschaffen, der bei den Internationalen Hofer Filmtagen 2018 seine Premiere feierte. Die exzellente Kameraarbeit von Moritz Reinecke hebt das kammerspielartige Werk deutlich über den bekannten Fernsehkrimi-Durchschnitt; zudem wartet das Drehbuch, das Erler gemeinsam mit Benjamin Karalic verfasst hat, mit spannungsreich gestalteten Figuren und guten Schauspiel-Darbietungen auf.

Der Film widmet sich relevanten Sujets – es geht um Gentrifizierung, um das rabiate Vorgehen von Unternehmen, das der Verdrängung von Bevölkerungsschichten dient. Erler verpackt seine Sozialkritik nicht ins Gewand eines Problem- und Thesenfilms, er erzeugt keinen Betroffenheitskitsch, sondern nutzt die Mittel des Genrekinos, um sehr präzise auf Missstände im Umgang mit Menschen hinzuweisen. Das Skript und dessen Umsetzung zeigen eine klare Haltung, vermeiden es aber durch diverse Brüche in der Charakterzeichnung, allzu einseitig daherzukommen.

Zum Gelingen von "Der letzte Mieter" trägt nicht zuletzt das engagiert spielende Ensemble bei. Der fernseherfahrene Matthias Ziesing verkörpert den Handwerker Tobias äußerst überzeugend und lässt gar an Michael Douglas' Performance in Joel Schumachers modernem Klassiker "Falling Down" denken. Sowohl Tobias' Wut als auch dessen Ratlosigkeit werden glaubhaft vermittelt. Unterstützt wird Ziesing etwa von der stets sehenswerten Pegah Ferydoni ("Türkisch für Anfänger", "Women Without Men") in der Rolle der Polizistin Shirin, die sich bemüht, die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Fazit: Gekonnt gemachtes Genre-Kino aus Deutschland, das sich mit wichtigen Themen befasst und zudem intensive Schauspiel-Leistungen bietet.




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