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Morgen gehört uns
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Kritik: Morgen gehört uns (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Seit die Schülerin und Klimaaktivistin Greta Thunberg an Freitagen für die Zukunft streikt und Schüler und Schülerinnen in aller Welt ihrem Beispiel folgen, staunen Erwachsene über die Entschlossenheit, mit der Kinder und Jugendliche gegen gesellschaftliche Missstände und Lethargie demonstrieren. Der französische Regisseur Gilles de Maistre ("Mia und der weiße Löwe", "Der erste Schrei") stellt in seinem Dokumentarfilm Heranwachsende aus verschiedenen Ländern vor, die sich aktiv für entrechtete oder mittellose Mitmenschen engagieren. Die meisten von ihnen treten mutig und ideenreich für Kinder in Not ein, damit sie eine Schulbildung erhalten und nicht als Ehefrauen oder Arbeitskräfte versklavt werden.

Aïssatou aus Guinea und Heena aus Indien greifen unerschrocken gesellschaftliche Traditionen an. Sie handeln sich eine Menge Ärger von Erwachsenen ein, wenn sie diese öffentlich kritisieren. Obwohl das Gesetz Kinderehen in Guinea nicht erlaubt, werden sie oft vollzogen und die Rede eines dagegen protestierenden Mädchens will auf dem Markt nicht jeder hören. Heena spricht einen Vater an, er solle seinen Sohn zur Schule gehen lassen, statt ihn zum Arbeiten zu zwingen, und bekommt zu hören, sie solle verschwinden. Aber die beiden Mädchen lassen sich von negativen Reaktionen nicht beirren.

Sehr bewegend sind die Beispiele aus Bolivien, weil sie zeigen, dass Kinder dort oft keine andere Wahl haben, als zu arbeiten. Mit dem Geld unterstützen sie die Familien und können sich den Schulbesuch finanzieren. Hier geht es der Gewerkschaft der Kinderarbeiter darum, für bessere Arbeitsbedingungen einzutreten und eine stützende Gemeinschaft zu schaffen. Berührend sind auch die Momente, in denen der Franzose Arthur mit den Tränen kämpft, wenn er mit obdachlosen Bettlern spricht.

Der Film verbreitet Mut und Optimismus, indem er aufzeigt, was Einzelne bewirken können, wie Kinder ein neues Bewusstsein mit konkreten Taten schaffen. Manchmal wirkt es jedoch auch ein wenig gewollt und oberflächlich, wie der Film das Vorbildliche, gar Heroische in den Handlungen der Protagonisten anpreist. Wenn die Kinder und einige der Eltern sprechen, kommen Hintergründe, der Alltag, Probleme und Zweifel, die das Engagement vielleicht auch hervorruft, zu kurz.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Gilles de Maistre stellt Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Ländern vor, die Menschen in Not helfen und gesellschaftliche Missstände nicht länger hinnehmen wollen. Zu ihnen zählen der Gründer einer Ökobank für Schüler in Peru, eine afrikanische Aktivistin gegen die Kinderehe, eine indische Gegnerin der Kinderarbeit, bolivianische Kinderarbeiter, die sich gewerkschaftlich organisieren, Minderjährige, die Sachen an Obdachlose verteilen. Diese engagierten jungen Menschen in Aktion zu erleben und erzählen zu hören, stimmt optimistisch. Manchmal schränkt der Film sein Blickfeld jedoch unvorteilhaft ein, wenn er sich allzu sehr bemüht, die Erfolgsbotschaft zu verkünden, die er in diesen Beispielen findet.




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