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Kritik: Master Cheng in Pohjanjoki (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Master Cheng in Pohjanjoki" ist das neue Werk des finnischen Filmemachers Mika Kaurismäki ("The Girl King"). Bei seiner Deutschland-Premiere bei den Nordischen Filmtagen Lübeck im Jahre 2019 wurde es mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Die finnisch-chinesisch-britische Co-Produktion erzählt von einem klassischen Culture Clash; in diesem Fall prallt der Pragmatismus eines Dorfes in Lappland auf chinesische Kulinarik und deren Zauber. Das Drehbuch von Hannu Oravisto, das von Kaurismäki zusammen mit Sami Keksi-Vähälä bearbeitet wurde, verbindet leichte Absurdität mit Warmherzigkeit. In Kombination mit den ansprechenden Sommerbildern sowie den hungrig machenden Aufnahmen der zubereiteten Köstlichkeiten, eingefangen von Kameramann Jari Mutikainen, entsteht letztlich gute Kino-Unterhaltung.

Dass der verwitwete Titelheld Cheng und die geschiedene Protagonistin Sirkka trotz einer gewissen Sprachbarriere zueinanderfinden werden, ist gewiss recht vorhersehbar, wird von Kaurismäki jedoch angenehm unaufgeregt in Szene gesetzt. Ohnehin wählt der Regisseur einen ruhigen Ton, um seine Geschichte zu schildern und die Figuren miteinander interagieren zu lassen. Die Tragik in Chengs biografischem Hintergrund und die Romantik zwischen Cheng und Sirkka wird mit den oft lakonischen Sprüchen der Einheimischen Romppainen und Vilppula (verkörpert von Vesa-Matti Loiri und Kari Väänänen) gemixt, die an die lästernden "Muppet"-Herren Statler und Waldorf erinnern.

Pak Hon Chu als Cheng und Anna-Maija Tuokko als Sirkka liefern sympathische Schauspiel-Leistungen. Es wird deutlich, dass Cheng und Sirkka sich in ihren Lebenssituationen gegenseitig zu bereichern vermögen. Kaurismäki lässt seinem Ensemble dabei erfreulich viel Raum.

Fazit: Eine charmante Tragikomödie mit romantischen Tönen – ruhig erzählt, schön bebildert und einfühlsam gespielt.




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