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Live (2020)

Distanzierte Zukunftsvision: deutsches Science-Fiction-Drama über zwei Geschwister und ihren Traum, wieder vor Publikum auftreten zu können.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Deutschland, irgendwann in naher Zukunft: Terroranschlage sind an der Tagesordnung. Wer in Gruppen im öffentlichen Raum zusammenkommt, riskiert sein Leben. Dementsprechend hat sich das Leben in den virtuellen Raum verlagert. In dieser Welt ohne zwischenmenschliche Kontakte träumt die Traumapsychologin Claire (Karoline Marie Reinke) davon, gemeinsam mit ihrem Bruder Aurel (Anton Spieke), einem professionellen Trompeter, der seit Jahren nur noch virtuelle Konzertsäle bespielt, endlich wieder live vor Publikum auftreten zu können, wie sie es einst als Kinder taten. Dafür holen sich die Geschwister Hilfe von den Hackern Maximus (Corbinian Deller) und Ada (Sonja Dengler). Doch ihr Unterfangen ist riskant und läuft stets Gefahr, von Claires und Aurels Mutter (Ulrike Knospe), einem hohen Tier in der Regierung, entdeckt zu werden.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Dieser Film feierte im Januar 2020 beim Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken Premiere und erweist sich in der Rückschau als ungemein visionär. Der alles bestimmende Faktor im Regiedebüt der Schauspielerin Lisa Charlotte Friederich ist zwar keine Pandemie, sondern Terrorismus. Dessen Folgen gleichen aber erschreckend unserer Gegenwart während der Coronakrise: Kulturveranstaltungen sind untersagt, die Menschen gehen verängstigt auf Abstand. Dass dieses Science-Fiction-Drama jetzt im Dezember 2020 nur einen virtuellen Kinostart erlebt, ist bedauerlich, passt aber nicht nur zum Inhalt des Films, sondern auch in unseren Alltag, der sich immer mehr in den virtuellen Raum verschiebt.

Friederich, die auch das Drehbuch zu ihrem Debütfilm geschrieben hat, legt ihre Geschichte ganz klassisch an. Der Konflikt zwischen Claire (Karoline Marie Reinke) und ihrem Bruder Aurel (Anton Spieke), der Neid auf dessen Talent und das Buhlen um die Gunst ihrer Mutter (Ulrike Knospe) ist unschwer als Variation der biblischen Geschichte um Kain und Abel zu erkennen. Dass Friederich diese Variation in eine nicht allzu ferne Zukunft versetzt, gibt ihr den entscheidenden Dreh, der diesen Film sehenswert macht.

Diesem Debüt ist anzusehen, dass es kein großes Budget gehabt haben dürfte. Friederich und ihre Co-Produzentin, die Musikerin Rike Huy, die auch die Musik zum Film beigesteuert hat, machen das Beste daraus. Sie beschränken sich auf wenige Figuren und Sets, die durch ihre Architektur futuristisch anmuten. Und sie spielen mit dem Ton und den Dialogen, die ohne Hintergrundgeräusche auskommen und der Welt entrückt wirken.

In dieser Welt in einer nicht allzu fernen Zukunft haben die Menschen den Umgang mit menschlicher Nähe verlernt, können ihr Sehnen danach aber nicht einfach abstellen. Ihr Verlangen führt zu großen Gefühlen und schwerwiegenden Taten, die Friederich zu kleinen, intimen Momenten verdichtet.

Fazit: Ob es "Live" in die Kinos schaffen wird, ist im Dezember 2020 noch offen. In der Zwischenzeit ist Lisa Charlotte Friederichs Debütfilm bereits bei allen geläufigen Streaming-Plattformen und auf www.kino-on-demand.com zu haben. Friederichs Blick in eine nicht allzu ferne Zukunft ist spannendes und außergewöhnliches Genrekino aus Deutschland. Der Welt entrückt und zugleich erschreckend gegenwärtig.




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Land: Deutschland
Jahr: 2020
Genre: Drama, Science Fiction
Länge: 84 Minuten
Regie: Lisa Friederich
Darsteller: Christine Chapman als Einsatzleiterin, Corbinian Deller als Maximus, Sonja Dengler als Ada
Verleih: UCM.One

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