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Friedrich Hölderlin - Dichter sein. Unbedingt!
Friedrich Hölderlin - Dichter sein. Unbedingt!
© Arsenal

Kritik: Friedrich Hölderlin - Dichter sein. Unbedingt! (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Am 20. März 1770, also vor 250 Jahren, wurde der deutsche Dichter Friedrich Hölderlin geboren. Er schrieb Gedichte, die ihrer Zeit in Form und Stil weit voraus waren. Auch politisch und philosophisch war die Freiheit – inspiriert von der Französischen Revolution - sein großes Thema. Der Dokumentarfilm von Hedwig Schmutte und Rolf Lambert tastet sich mit Hilfe von Schriftstellern und Wissenschaftlern an Leben und Werk dieses innerlich zerrissenen Genies heran.

Die Experten, die im Film zu Wort kommen – unter ihnen die Lyriker Durs Grünbein und Daniela Danz, der Schriftsteller Kurt Oesterle und der Literaturwissenschaftler Uwe Schütte -, gehen vor allem auf die große Bedeutung des Freiheitsgedankens der Französischen Revolution für Hölderlin ein. Demnach sah sich Hölderlin als einen politischen Dichter, der die Menschen aufklären und für humanistische, republikanische Ideale begeistern wollte. Im Film wird darüber spekuliert, ob ihm die Diagnose einer Geisteskrankheit später nützlich war, um sich der drohenden politischen Verfolgung zu entziehen. Die Spekulationen aber werden nicht weiter vertieft oder belegt – wer sich in der Biografie Hölderlins nicht auskennt, blickt hier nur schwer durch. Auch werden Phasen in seinem dichterischen Schaffen benannt, zum Teil mit Versen und Texten belegt, aber es wird oft so getan, als müsste das Publikum mit seinem Werk im Grunde schon vertraut sein.

Der sensible, vom Humanismus und der Liebe zur Natur beseelte Geist Hölderlins bekommt leider in der wichtigtuerischen Inszenierung wenig Raum zur Entfaltung. Mit Spielszenen – ein Schauspieler flaniert beispielsweise durch Orte, an denen Hölderlin wohnte -, und den Experten, die vor der Kamera den Dichter auf Gemälden, seine Aufzeichnungen betrachten, wird die Spurensuche selbst zum Hauptthema. Es wird fast der Eindruck vermittelt, die Gesprächspartner und die Leute hinter der Kamera – auch Musiker und Animateur kommen bei der Arbeit ins Bild – befänden sich hier in einem Forschungsprojekt. Eine schlechte Gliederung sorgt dafür, dass sich vieles inhaltlich wiederholt, die stets sehr kurzen, aneinandergereihten Wortbeiträge Schleifen ziehen. Mit dem Lärm unserer Zeit aber lässt sich keine Brücke über die Jahrhunderte spannen, um diesen rebellischen Künstler besser zu verstehen.

Fazit: Vor 250 Jahren, am 20. März 1770, wurde der Dichter Friedrich Hölderlin geboren. Der Dokumentarfilm von Hedwig Schmutte und Rolf Lambert geht mit Gesprächspartnern aus Kunst und Wissenschaft dem politisch-philosophischen und künstlerischen Freiheitsstreben Hölderlins nach. Beflügelt von den Idealen der Französischen Revolution, verstand er sich als aufklärerischer Dichter, der sich auch über die stilistischen Regeln der Dichtkunst kühn hinwegsetzte. Die zwischen Spielszenen, Rezitationen, kurz geschnittenen Wortbeiträgen wechselnde Inszenierung wirkt wichtigtuerisch und verfehlt so oft die Annäherung an den geheimnisumwitterten, von seelischem Unglück geplagten Dichter.




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