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Kritik: Mina und die Traumzauberer (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für Hollywood hat sich nicht ohne Grund das Synonym der Traumfabrik eingebürgert. Und selbstredend lässt sich dieses auf das Kino im Allgemeinen übertragen. Wenn das Licht im Saal erlischt, träumt sich das Publikum mit den Figuren auf der Leinwand in andere Welten. Mal flimmern traumhafte, mal albtraumhafte Bilder herab. Was böte sich also besser an, als einen Film über Träume zu produzieren? Die Idee dazu kam dem Regisseur Kim Hagen Jensen natürlich im Traum. Wo sonst?!

Schon die Grundidee, das Träume von einer Truppe ulkiger Arbeiter und von den Träumenden unbemerkt fabriziert werden, ist großartig. Jensen und sein Co-Regisseur Tonni Zinck haben daraus einen traumhaften Animationsfilm für ein junges Publikum gemacht, der aber mühelos auch ein altes begeistert. Der dänische Originaltitel "Drømmebyggerne" bedeutet schlicht und einfach "Traumbauer". Des Aufhübschens zu "Traumzauberer" hätte es im Deutschen nicht bedurft. Zauberhaft ist das Abenteuer trotzdem – und das in allen Gewerken.

Die Geschichte des Mädchens Mina ist nicht neu, aber erfrischend erzählt. Die familiäre Ausgangslage könnte auch einem Märchen entnommen sein. Drehbuchautor Søren Grinderslev Hansen hat diese uralte Prämisse in ein modernes Gewand gekleidet. Minas Vater John ist kein distanzierter Übervater, sondern ein nahbarer, fürsorglicher Kuschelbär, der den Haushalt ganz allein schmeißt. Seine Freundin Helene ist kein böses Schwiegermonster, sondern eine liebende Mutter, die sich von ihrer Tochter Jenny auf der Nase herumtanzen lässt. Und in Jenny kulminieren schließlich die genretypische fiese Stiefschwester und der Gruppenzwang, angesagt zu sein. Im 21. Jahrhundert setzt sich dieser in den sozialen Netzwerken fort.

Die Handlung ist stimmig, die Figuren sind liebevoll geschrieben. Der große Clou ist jedoch die Welt, die sich hinter den Kulissen unserer Träume auftut. Denn Jensen & Co. haben ihrer Grundidee lauter weitere originelle Einfälle folgen lassen. Was sich dort alles verbirgt, soll an dieser Stelle nicht verraten werden, dürfte aber nicht nur die Kleinen im Publikum zum Staunen bringen. Diese Welt ist nicht nur wunderschön, detailversessen und in sich schlüssig gestaltet, sondern sieht auch umwerfend aus. Hier kommt Jensens jahrzehntelange Erfahrung in der Animationsbranche (er wirkte schon beim 1986 entstandenen "Walhalla" mit) zum Tragen. Wo heutzutage viele Animationsfilme auf liebloses 3D setzen, kommt "Mina und die Traumzauberer" mit überragender Lichtsetzung elegant und malerisch daher.

Fazit: "Mina und die Traumzauberer" ist ein Film von Träumern für Träumer über eine unbekannte Welt hinter unseren Träumen. Stimmig geschrieben und umwerfend animiert, wird dieses Abenteuer nicht nur die jungen Zusehenden verzaubern. Mit einem besseren Kinderfilm hätte die Wiedereröffnung der Kinos nach der Schließung während der Coronakrise gar nicht starten können.




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