oder

Giraffe (2019)

Drama: Eine Frau dokumentiert die Häuser und Menschen auf Lolland, die einem großen Bauprojekt weichen müssen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Die 38-jährige, aus Dänemark stammende Ethnologin Dara (Lisa Loven Kongsli) wohnt mit ihrem Lebensgefährten in Berlin. Im Auftrag eines Museums kehrt sie für einige Monate auf die dänische Insel Lolland zurück, wo gerade der Bau des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels vorbereitet wird. Dara dokumentiert die teils noch bewohnten, teils bereits verlassenen Häuser, die dem Tunnelbau weichen müssen. Sie spricht mit Leuten und fotografiert.

Der 24-jährige polnische Arbeiter Lucek (Jakub Gierszał) ist ebenfalls beruflich auf der Insel, um dort mit einer Gruppe von Männern Glasfaserkabel zu verlegen. Als Dara und Lucek sich begegnen, entwickeln sich rasch Gefühle zwischen den beiden. Doch sie wissen, dass ihre Zweisamkeit nur vorübergehend ist

Bildergalerie zum Film

GiraffeGiraffeGiraffeGiraffeGiraffeGiraffe


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Die deutsch-dänische Co-Produktion "Giraffe" ist der zweite Langfilm der Drehbuchautorin und Regisseurin Anna Sofie Hartmann. Das Werk feierte seine Premiere 2019 auf dem Locarno Film Festival und wurde auf der Viennale mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet. Es ist ein überaus feinfühliges, ruhig erzähltes Werk über Orte und Erinnerungen – darüber, wie etwas einerseits vergänglich und flüchtig ist und andererseits doch ewige Spuren hinterlässt. An einer Stelle liest die Protagonistin Dara dem jüngeren Lucek aus Rebecca Solnits "A Field Guide to Getting Lost" vor – einer Abhandlung über die "Kunst, sich zu verlieren" (so der deutsche Titel). Dieser Kunst widmet sich Hartmann auf elegische, aber durchaus auch lebensnahe Weise.

So findet "Giraffe" eine eindrückliche Balance zwischen dokumentarischer Anmutung und melancholisch-schöner Liebesgeschichte. Hartmann zeigt, was der geplante Bau des Fehmarnbelt-Tunnels mit dem Leben von Menschen auf der dänischen Insel Lolland macht, wie Häuser und Besitztümer zurückgelassen werden (müssen) und wie der Kapitalismus sich durchsetzt. Sie lässt uns jedoch auch spüren, welche Kraft etwa die persönlichen Worte aus einem Tagebuch oder ein inniger Blickwechsel zwischen Verliebten haben können. Es geht um Entfremdung und Entwurzelung – und zugleich um das, was bleibt oder entstehen kann. Das alles wird von Kamerafrau Jenny Lou Ziegel in einfallsreichen Bildkompositionen eingefangen.

Die norwegische Hauptdarstellerin Lisa Loven Kongsli ("Höhere Gewalt") verkörpert ihre Rolle perfekt. Als "wunderschön und seltsam" wird sie von Lucek beschrieben – und der Schauspielerin gelingen stets die richtigen Ausdrücke, um zwischen Empathie und Unnahbarkeit zu changieren. Nicht minder stark ist ihr Leinwandpartner Jakub Gierszał ("Finsterworld") als Lucek. In einem enigmatischen Nebenpart glänzt zudem Maren Eggert ("Ich war zuhause, aber…").

Fazit: Eine einnehmend gefilmte, hervorragend gespielte Reflexion über das Verlieren und Verschwinden – und das, woran wir uns doch stets erinnern werden.




TrailerAlle anzeigen

Zum Video: Giraffe

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Dänemark, Deutschland
Jahr: 2019
Genre: Drama
Länge: 87 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 06.08.2020
Regie: Anna Sofie Hartmann
Darsteller: Lisa Loven als Dara, Jakub Gierszal als Lucek, Maren Eggert als Käthe
Verleih: Grandfilm

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.