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Isadoras Kinder
Isadoras Kinder
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Isadoras Kinder (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Tänzerin und Choreografin Isadora Duncan (1877-1927) gilt als Wegbereiterin des modernen Ausdruckstanzes. Und auch der Regisseur Damien Manivel begann seine Karriere als Tänzer, bevor er sich dem Filmemachen zuwandte. In seinem vierten abendfüllenden Spielfilm nimmt er sich Duncans Stück "Mutter" an, das diese choreografiert hatte, nachdem ihre zwei Kinder 1913 bei einem Unfall tragisch ums Leben gekommen waren. Dafür hat er beim Film Festival in Locarno 2019 den Preis für die beste Regie erhalten.

Manivels Inszenierungsstil ist so streng und schnörkellos wie Duncans Choreografie. Zwischentitel auf weißem Hintergrund zählen die Tage bis zur Aufführung herunter. In drei klar voneinander getrennten, nur lose miteinander verbundenen Akten konzentriert sich Manivel vollkommen auf die Bewegungen der Tänzerinnen und bewegt dadurch sein Publikum. Während im ersten Akt die Stimme der Darstellerin lediglich aus dem Off zu hören ist, wie sie Passagen aus Duncans Memoiren vorliest, kommt der dritte und letzte Akt beinahe ohne Worte aus. Dagegen fällt der zweite Akt mit seinen Gesprächen zwischen Lehrerin und Schülerin deutlich ab. Welch kinematografisches Wunder wäre dieser Film ganz ohne Dialoge gewesen!

Die Kinder im Filmtitel sind nicht nur Isadora Duncans leibliche Kinder, sondern freilich auch all jene Tänzerinnen wie die im Film gezeigten, die in einer Linie mit dieser Wegbereiterin stehen. Und selbstverständlich auch der Regisseur, der Duncans tänzerisches Erbe mit diesem Film ins 21. Jahrhundert überführt. "Isadoras Kinder" ist ein zurückhaltendes, minimalistisches Drama, das nicht auf große Gesten, sondern auf die (heilende) Kraft kleiner Bewegungen und Berührungen setzt.

Fazit: Damien Manivels vierter abendfüllender Spielfilm widmet sich der berühmten Tänzerin und Choreografin Isadora Duncan und ihrem wohl tragischsten Tanz. Seine strenge Form fordert das Publikum. Es wird mit einem minimalistischen Drama belohnt, das voll und ganz auf kleine Gesten und die Kraft des Körpers setzt.




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