VG-Wort

oder

FBW-Bewertung: Kokon (2020)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Leonie Krippendorffs Film erzählt eine Coming-of-Age-Geschichte in einem sommerlichen Berlin der Gegenwart. Im Zentrum steht die 14-jährige Nora, die mit ihrer älteren Schwester Jule und einer offenbar alkoholkranken Mutter am Kottbusser Damm in Kreuzberg aufwächst. Zuerst bewegt sich Jule noch ganz im Schlepptau der bewunderten Schwester und deren Freundin, die wiederum selbst wie gefangen sind von den sozialen Medien, die sie Tag und Nacht benutzen. Dann lernt Nora die etwas ältere Romy kennen, verliebt sich in sie und lernt dabei, zu ihrer Sexualität zu stehen.

Krippendorffs Film ist eine charmante, sehr authentisch wirkende und zugleich einfühlsame Milieustudie. Die jungen Schauspielerinnen sind allesamt sehr überzeugend, die Sprache, die ihnen das Drehbuch in den Mund legt, ist angenehm ungekünstelt und echt. Zugleich gelingt es der Regisseurin, mit ihren Teenagern nicht nur"Typen"zu markieren, wie etwa das Girlie, die Eitle, die Taffe, der Macker usw., sondern sie stattet sämtliche Charaktere mit Zwischentönen und Vieldeutigkeiten aus. Dazu behandelt sie die körperlichen Aspekte der Transformation in der Pubertät sowohl äußerst dezent als auch angenehm offen und direkt. Und nicht zuletzt verleiht die Berliner Sommerstimmung zwischen Freibadbesuchen und heißen Asphaltnächten dem Film eine eigene, der Sentimentalität des Stoffes angenehm entgegengesetzte Atmosphäre.



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