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Notre Dame   Die Liebe ist eine Baustelle
Notre Dame Die Liebe ist eine Baustelle
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Kritik: Notre Dame – Die Liebe ist eine Baustelle (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im französischen Komödiengenre gibt es mittlerweile eine Richtung, die sich der gestressten modernen Frau annimmt. Sie ist berufstätig, hat Kinder, die sie in der Regel allein erzieht, und Lust auf die Liebe. Virginie Efira spielt solche Charaktere in "Victoria – Männer & andere Missgeschicke" oder "Sibyl – Therapie zwecklos". Auch unter der Regie von Valérie Donzelli ist die von ihr selbst gespielte Hauptfigur eine Frau, die mit ihren Aufgaben und Bedürfnissen täglich jonglieren muss. Der Stress erweist sich dabei erneut als Thema, das sich komödiantisch ausschlachten lässt und weniger beklagt, als auf erfrischende Weise akzeptiert wird. Denn mit billigen Kompromissen gibt sich eine solche, lustig überzeichnete Symbolfigur für Frauen, die ihren eigenen Weg gehen, nicht zufrieden.

Die Architektin Maud ist kein Kind von Traurigkeit. Ihren Beruf übt sie leidenschaftlich aus, Missgeschicke wie die ungeplante Schwangerschaft nimmt sie sportlich. Maud bleibt immer positiv gestimmt und lösungsorientiert. Weder weist sie ihrem obdachlosen Ex die Tür, noch kapituliert sie in finanzieller Not. Dann werden in der Wohnung eben Touristen beherbergt, und für die Liebesnächte mit Bacchus kann sich auch noch ein Plätzchen finden. Es macht Spaß, dieser patenten Person zuzuschauen, die Herz und Humor hat, aber vor Problemen nicht gefeit ist. Die Nebenfiguren wie Bacchus mit dem liebevollen Blick, der schluffige Martial, die hofierte Bürgermeisterin, der nervige Chef (Samir Guesmi) ergeben eine vergnügliche Mischung.

Die Quirligkeit der Handlung findet eine Parallele in der Vielzahl kreativer Ideen und Stilmittel. Es gibt unter anderem Szenen mit magischem Realismus, satirische Überzeichnungen einer gestressten Gesellschaft, in der sich Passanten unvermittelt ohrfeigen, Bühnenauftritte der Übernachtungsgäste, die zu tanzen beginnen. Die Darsteller können betont zackig agieren, als machten sie sich über die ständige Notwendigkeit ihrer Charaktere, sich neuen Situationen anzupassen, lustig. Irgendwann fängt Maud auch noch wie im Musical zu singen an. Das Chaos scheint perfekt, oder positiv ausgedrückt, alles ist im Fluss. Wenn man sich auf den Trubel, die Fülle der Einfälle und die abrupten Szenenwechsel einmal eingelassen hat, kann diese leichtfüßige Komödie durchaus unterhaltsam wirken.

Fazit: In der quirligen französischen Komödie spielt die Regisseurin Valérie Donzelli die Hauptrolle einer gestressten Architektin, die sich mit einer zunächst gefeierten Arbeit bald Ärger einhandelt. Auch sonst ist im Leben dieser modernen Frau viel los, mit Kindern, einer ungeplanten Schwangerschaft, einem Ex-Partner ohne Bleibe und einer neuen Liebe. Der Trubel ist in diesem Film Programm, er wird komödiantisch auf die Spitze getrieben, gut gelaunt und mit stilistischer Kreativität gefeiert. Am Rande des Chaos tänzelt diese Komödie leichtfüßig beschwingt dahin, ohne sich selbst allzu ernst zu nehmen.




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