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Die Geburt des Leoparden (2020)

Besser als Fiktion: italienischer Dokumentarfilm über Leben und Liebe eines beinahe vergessenen Schriftstellers.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Giuseppe Tomasi di Lampedusa wird am 23. Dezember 1896 in Palermo in ein sizilianisches Adelsgeschlecht geboren. Trotz seiner blaublütigen Abstammung sollte der 1957 gestorbene Tomasi erst posthum größere Bekanntheit erlangen. Ein Jahr nach seinem Tod wird sein erster und einziger Roman "Il Gattopardo" (dt. Titel: "Der Leopard") ein Welterfolg und 1963 mit Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon unter der Regie von Luchino Visconti verfilmt. Film und Roman sind unvergessen, an den Urheber der Geschichte erinnern sich hingegen nicht mehr viele.

Der Regisseur Luigi Falorni möchte das ändern. In seinem Dokumentarfilm zeichnet er die Biografie des spätberufenen Schriftstellers nach und stößt dabei auf eine geradezu abenteuerliche Lebens- und Liebesgeschichte. Tomasis Tanten kamen tragisch ums Leben, er selbst kämpfte in zwei Weltkriegen, denen der Familiensitz zum Opfer fiel. Er hatte eine enge Beziehung zu seiner vereinnahmenden Mutter und führte eine Ehe mit der deutsch-baltische Psychoanalytikerin Alexandra von Wolff-Stomersee teils über Tausende Kilometer hinweg. Als Tomasi starb, war er mittellos und seine Witwe auf ein Darlehen angewiesen, bis der hinterlassene Roman zum Bestseller wurde.

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Der Kameramann, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Luigi Falorni wechselt mühelos zwischen Welten, Medien und Stilen. In Florenz geboren, studierte er an der Hochschule für Fernsehen und Film in München Dokumentarfilm. Doch schon sein internationaler Durchbruch, der gemeinsam mit seiner Kommilitonin und Co-Regisseurin Byambasuren Davaa realisierte Film "Die Geschichte vom weinenden Kamel" (2003), setzte auf eine Mischung aus dokumentarischen und inszenierten Elementen. Auch Falornis jüngster Dokumentarfilm weist hybride Stellen auf.

Während viele Dokumentarfilme durch eine Unmenge an Interviews schnell unübersichtlich werden, bittet Falorni nur zwei Gesprächspartner vor die Kamera, die diesmal nicht er selbst, sondern sein Kollege Roland Wagner führt. Neben dem schottischen Historiker David Gilmour (übrigens ebenfalls adliger Abstammung), der eine Biografie über Tomasi geschrieben hat, kommt lediglich Tomasis Adoptivsohn Gioacchino zu Wort. Besonders die sehr privaten Einsichten des Letztgenannten sind aufschlussreich. Gepaart mit einer wahren Schatztruhe an Archivaufnahmen würde diese Mischung eigentlich ausreichen.

Doch der Regisseur entscheidet sich dafür, einige bereits verstorbene Personen aus Tomasis Leben in nachgestellten Interviews zu Wort kommen zu lassen. Gerade diese mit Schauspielern inszenierten Szenen wirken bis zuletzt wie ein Fremdkörper. Hochspannend bleibt die hier vorgestellte Biografie dennoch. Sein bewegtes Leben hätte sich Tomasi als Schriftsteller kaum besser ausmalen können. Falornis Auseinandersetzung mit diesem liefert den Zuschauern das Zeit- und Sittenbild einer längst untergegangenen, äußerst faszinierenden Welt.

Fazit: "Die Geburt des Leoparden" zeichnet die bewegte Biografie eines in Vergessenheit geratenen Schriftstellers nach. Auch wenn dieser Dokumentarfilm formal nicht vollends überzeugt, lohnt sich ein Kinobesuch. Denn diese abenteuerliche Lebens- und Liebesgeschichte hätte sich kein Schriftsteller besser ausdenken können.




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Land: Deutschland, Italien, Litauen
Jahr: 2020
Genre: Dokumentation
Länge: 90 Minuten
FSK: 6
Kinostart: 05.03.2020
Regie: Luigi Falorni
Verleih: Filmwelt

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