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Bis an die Grenze
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© Studiocanal

Kritik: Bis an die Grenze (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Anne Fontaine ("Gemma Boverry") kann sich in ihrem 18. Spielfilm, ein Genre-Mix aus Drama und Thriller, leider nie wirklich entscheiden in welche Richtung sie gehen möchte. Das liegt in der Tatsache begründet, dass sich der Film in zwei (thematische) Hälften teilt, die sich nicht deutlicher voneinander unterscheiden könnten: in Sachen Stimmung, Stil und Inhalt. Zusammen betrachtet ergeben sie kein harmonisches, in sich geschlossenes Gesamtbild. Außerdem lässt sich die Regisseurin zu viel Zeit, bis sie die Haupthandlung einsetzen lässt.

Zunächst schildert sie auf erschöpfende, fast ausladende Weise den Alltag der Polizisten, die mit grausamen Taten konfrontiert werden. Daneben taucht sie in ihr privates Umfeld ein und lässt sie die – zum Teil exakt – gleichen Situationen erleben. Stets aus der Sichtweise eines andern (Virginie, Erik, Aristide). Jedoch entstehen bei diesem Versuch der episodenartigen Charakterzeichnung ermüdende Redundanzen. Aus der Episoden-artigen Anordnung und Milieuschilderung entwickelt sich mit Antritt der Fahrt ein Thriller-artiges Kammerspiel auf vier Rädern. Dieser abrupte Wechsel wirkt zunächst etwas unvermittelt und überhastet, andererseits spielt "Police" in den Szenen im Auto seine größten Stärken aus.

Die Situation im Wagen ist angespannt und allein an den Gesichtern der Figuren lassen sich deren differierende Sichtweisen und Ängste ablesen. Auf engstem Raum kommen vier völlig unterschiedliche Persönlichkeiten zusammen. Dabei entstehen vor allem zwischen zwei Personen Reibungspunkte: zwischen dem übertrieben pflichtbewussten, um seinen Lebenslauf besorgten Erik und dem wankelmütigen Aristide (unbekümmert und ausdrucksstark: Omar Sy).

Ein großes Problem ist, dass man dem Geflohenen, Tohirov, nie wirklich nahekommt. Die Innenwelt der Figur bleibt ein Rätsel und dem Zuschauer fremd. Empfehlenswert wäre gewesen, wenn Fontaine die Einführung und Etablierung der Polizisten weniger zeitintensiv und ausführlich umgesetzt und sich stattdessen mehr dem Flüchtling zugewandt hätte.

Fazit: Unausgereiftes, sich vor allem in der ersten Hälfte wiederholendes Thriller-Drama, das einer der zentralen Figuren zu wenig Aufmerksamkeit schenkt.




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