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Anton Bruckner - Das verkannte Genie
Anton Bruckner - Das verkannte Genie
© Arsenal

Kritik: Anton Bruckner - Das verkannte Genie (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Regisseur Reiner E. Moritz kam mit Anton Bruckners Musik erstmals als Schüler in Berührung, als sein damaliger Klavierlehrer Bruckners Werk dirigierte und Moritz bei allen Proben anwesend war. Was Moritz an diesem Werk fasziniert, ist für jeden nachvollziehbar, der seinen Dokumentarfilm sieht. Es ist Bruckners Raumempfinden, von dem wiederholt die Rede ist, der Nachhall, den Bruckner mitkomponiert habe, der den Zuhörenden ein eigenes Universum eröffnet.

Eine zeitgenössische Zeitungskritik bezeichnete Bruckners Musik als "bestrickend". Der Schauspieler Cornelius Obonya rezitiert diese und andere Rezensionen auf einer Empore sitzend. Sein Vortrag ist einer von wenigen gelungenen Einfällen eines alles andere als bestrickenden Dokumentarfilms. Denn Moritz erzählt von Bruckners Leben, Werk und Wirken erst zu gehetzt und insgesamt zu nüchtern.

Die Orte aus Bruckners ersten Lebensjahren klappert Moritz gemeinsam mit einer Reisegruppe aus Übersee, der Bruckner Society of America, ab, was den Film in seinen ersten Minuten geradezu amateurhaft, wie ein Touristen-Videotagebuch anmuten lässt. Danach fängt sich die Doku zwar, gerät durch ihren steten Wechsel zwischen Talking Heads und Konzertausschnitten aber schnell redundant und trocken.

"Anton Bruckner – Das verkannte Genie" ist eine sachlich nüchterne Annäherung an einen Musiker, der mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Formal macht der Film keine großen Sprünge. Ganz anders als Bruckners Musik, die über die allzu routinierte Faktenvermittlung hinwegtröstet.

Fazit: Der Höhepunkt dieses Dokumentarfilms ist zweifelsohne Anton Bruckners Musik, die bereits eine zeitgenössische Kritik als "bestrickend" beschrieb. Zudem vermittelt Regisseur Reiner E. Moritz unzählige Fakten, von denen nicht alle dem Publikum bekannt sein dürften. Formal kommt Moritz allerdings nicht über einen routinierten Wechsel aus Interviewsituationen und Konzertausschnitten hinaus, der alsbald langweilt.




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