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Winterreise (2019)

Winter Journey

Film-Essay: Ein ehemaliger Musiker, der Deutschland wegen seiner jüdischen Herkunft zur Nazi-Zeit verlassen musste, erinnert sich an sein Leben.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Günther Goldschmidt wuchs im Oldenburg der 1920er und frühen 1930er Jahre auf. Seine musikalische Begabung führte zu einem Studium in Karlsruhe. Im Jahre 1935 wurde er jedoch dazu aufgefordert, die Hochschule umgehend ohne Diplom zu verlassen, weil er Jude ist. Als bereits seine Ausreise nach Schweden bevorstand, wurde Günther vom Kulturbund Deutscher Juden eingeladen, um an einem Orchesterauftritt teilzunehmen. Auf diesem Wege begegnete er seiner späteren Ehefrau, einer Bratschistin. Er fasste den Entschluss, in Deutschland zu bleiben. Aber recht schnell musste das junge Paar begreifen, dass es hier nicht länger sicher ist. 1941 konnten die beiden in die USA fliehen und sich dort ein neues Leben aufbauen. Ihre Familien wurden indes Opfer des deutschen Nazi-Terrors.

Viele Jahre später beginnt Martin – der Sohn des inzwischen verwitweten Günther –, seinem Vater Fragen zu dessen Vergangenheit zu stellen. Nach anfänglichem Widerwillen lässt sich Günther darauf ein.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Winterreise" von Anders Østergaard basiert auf dem 2002 erschienenen Interview-Buch "Die unauslöschliche Symphonie: Musik und Liebe im Schatten des Dritten Reiches – eine deutsch-jüdische Geschichte" des US-amerikanischen Radiomoderators Martin Goldsmith, der darin die Biografie seines verwitweten Vaters Günther Goldschmidt alias George Goldsmith zu rekonstruieren versucht. Auf der Leinwand entfaltet sich ein filmischer Essay, der sowohl mit Archivaufnahmen und historischen Fotografien als auch mit heutigen Bildern arbeitet und das Dokumentarische mit Spielszenen kombiniert – teilweise in Schwarz-Weiß, mit Shootingstar Leonard Scheicher ("Das schweigende Klassenzimmer") in der Rolle des jungen Günther, und teilweise mit Homevideo-Elementen, mit dem großartigen Bruno Ganz ("Der Himmel über Berlin", "Der Untergang") in seinem letzten Kino-Auftritt als gealterter Vater von Martin.

Die dänisch-deutsche Co-Produktion zeichnet sich durch einen innovativen Umgang mit ihrem Material aus – etwa wenn die Spielenden in den Rückblicks-Passagen in historische Aufnahmen hineinmontiert werden und dadurch eindrückliche audiovisuelle Collagen entstehen. Die nachgestellten Interview-Auszüge, in denen Günther von Martin (aus dem Off) befragt wird, leben indes von Ganz' Ausstrahlung und von dessen feinfühliger Rolleninterpretation zwischen Trotz und Melancholie.

In der Art und Weise, wie sich "Winterreise" und dessen Vorlage der Historie widmen, wird spürbar, welchen großen Einfluss die Umstände sowie die Ungerechtigkeiten und Verbrechen der Zeit auf das Leben eines Menschen haben – und wie schwer es sein kann, sich Dinge wieder in Erinnerung zu rufen, die mit so viel Schmerz verbunden sind.

Fazit: Eine originell gestaltete Adaption eines Interview-Buchs mit dem stets einnehmenden Bruno Ganz (1941-2019) in seiner letzten Rolle.




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Land: Deutschland
Jahr: 2019
Genre: Drama, Dokumentation
Länge: 88 Minuten
Kinostart: 22.10.2020
Regie: Anders Østergaard, Erzsebet Racz
Darsteller: András Bálint, Harvey Friedmann, Bruno Ganz
Verleih: Real Fiction

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