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The Hunt
The Hunt
© Universal Pictures International

Kritik: The Hunt (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Ruf eilt "The Hunt" voraus: Kolportiert wurde, dass in dem Film links-liberale US-Bürger Jagd auf Angehörige der (konservativ gesinnten) Arbeiterklasse machen würden, Kritik kam schon vorab von beiden Enden des politischen Spektrums. Donald Trump meinte etwa, der Film würde Gewalt an der US-Arbeiterklasse propagieren, während von der Gegenseite der Vorwurf kam, der Film hege Sympathien für den "Trumpismus". Geworden ist "The Hunt" eine durchaus unterhaltsame und kurzweilige Satire, die sich insbesondere kritisch mit "liberalen Eliten" auseinandersetzt.
Es mag Menschen geben, denen diese Satire zu weit geht, die sie übertrieben oder zynisch finden – genau dann aber hat sie bereits ihren Zweck erfüllt: Sie legt den Finger in offene Wunden der gespaltenen US-Gesellschaft. Gleichzeitig ist in "The Hunt" aber auch keine Sympathie für Politikzugänge a la Trump erkennbar, sondern lediglich eine Art Sympathie für "einfache Menschen", Durchschnittsbürger, die sich nichts zuschulden kommen haben lassen. Folgerichtig ist die Heldin der Geschichte auch Crystal, die sich mit ihrer "Bauernschläue" gegen die ihr vermeintlich überlegenen Gegner verteidigt und zur Wehr setzt.

Das alles ist flott inszeniert, die Dialoge sind solide geschrieben und sorgen durchaus für den einen oder anderen Lacher beim Publikum. Bei aller Ernsthaftigkeit des Sujets sollte man ja nie vergessen, dass "The Hunt" eben eine Satire ist, eine ziemlich unterhaltsame noch dazu, kein Filmrealismus oder eine politische Abhandlung, und man sollte das Ganze nicht allzu ernst nehmen.

Zuletzt muss die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin Betty Gilpin hervorgehoben werden, die wie gesagt als klassische Anti-Heldin positioniert wird, und im grandiosen Shooutout-Finale der versnobten Endgegnerin (ebenfalls überzeugend: Hilary Swank) noch ein letztes Mal im übertragenen Sinn ihre Maske vom Gesicht ziehen, sprich: ihre Scheinheiligkeit entlarven darf. Durch ihr zurückgenommenes, aber überzeugendes Spiel bietet sich Gilpin als ideale Identifikationsfigur an und stellt so auch eine weitere, überzeugende und starke Frauenfigur im US-Kino dar.

Fazit: Alles in allem ist "The Hunt" eine clevere, kurzweilige Thriller-Satire, die solide inszeniert und gut gespielt ist und vor allem ob seiner unterhaltsam präsentierten politischen Aussage bzw. Kritik von Interesse ist.




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