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The King of Staten Island
The King of Staten Island
© Universal Pictures International

Kritik: The King of Staten Island (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eigentlich ist der Filmemacher Judd Apatow für Komödienstoffe wie "Jungfrau (40), männlich, sucht..." und "Beim ersten Mal" bekannt. Nun aber hat er Regie geführt bei einem trotz des auch hier vorhandenen Humors im Grunde ernsten Film. Er würdigt die Arbeit der Feuerwehrmänner, die in New York ohnehin einen heldenhaften Ruf besitzen und lenkt zugleich den Blick auf die Folgen des Jobs für ihr Familienleben. Der Hauptdarsteller Pete Davidson, der als Comedian der TV-Show "Saturday Night Live" bekannt wurde, wirkte am Drehbuch mit, das auf Motiven seines eigenen Lebens basiert. Die Dramödie, in der er einen jungen vaterlosen Taugenichts spielt, ist seinem Vater Scott Davidson gewidmet. Der Feuerwehrmann starb bei einem Rettungseinsatz nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Der Film bringt das Kunststück fertig, amerikanischen Ikonen zu huldigen, wie den pflichtbewussten Rettungskräften oder einer liebenden und starken Mutterfigur, ohne peinlich zu wirken. Denn Hauptcharakter Scott ist ein Freund des schnoddrigen Humors. Er muss nur auf der schicken Abschlussparty seiner Schwester, auf den Zuschauerrängen eines Stadions auftauchen, und schon stößt er mit respektlosen, treffsicher ironischen Kommentaren alle vor den Kopf. Weil Scott es schafft, seine Aura eines Verlierers mit einer Haltung abgeklärten Spotts zu veredeln, gibt es immer wieder viel zu lachen. Davidson lässt den Charakter sehr glaubwürdig auf einem schmalen Grat wandeln, ihn mal als traurige Figur, dann wieder als Nervensäge, als kindlich rücksichtslos, als blitzgescheit aber zynisch erscheinen.

Auch Bill Burr, der Darsteller des Feuerwehrmanns Ray, ist von Haus aus Comedian. Hier spielt er nun einen Mann, der nicht als Karikatur angelegt ist, aber als Gutmensch doch über einige Schwächen verfügt, über die man lachen kann. Auf diese Weise haftet ihm, wie auch Scott, ein Realismus an, der auch die Milieuschilderung auszeichnet. Das unglamouröse Arbeiterviertel Staten Island wird als Kiez sichtbar, in dem die Charaktere nicht hinter Image- oder Statuspflege verschwinden. Mit einer Erzählfreude, wie sie ansonsten eher Serien kennzeichnet, vertieft sich der Film in Szenen aus dem Alltagsleben. Seine humorvolle Erdung sorgt dafür, dass er dabei nicht langweilig wird.

Fazit: Die vom Leben des Hauptdarstellers Pete Davidson inspirierte Dramödie über einen jungen Mann, dessen Vater als Feuerwehrmann im Einsatz starb, zeichnet sich durch liebevollen Realismus aus. Unter der Regie von Judd Apatow entfaltet sich die schillernde Persönlichkeit eines Hauptcharakters, der antriebslos, nichtsnutzig, eine Nervensäge und ein gescheiter, provozierender Sprücheklopfer ist. Dahinter wird eine existenzielle Traurigkeit spürbar, ein Abgehängtsein, das ein Echo im filmischen Schauplatz, dem unglamourösen New Yorker Viertel Staten Island, findet. Die in epischer Ausführlichkeit erzählte Geschichte unterhält mit ihrer humorvollen und differenzierten Art, sich auf Figuren und Situationen einzulassen.




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