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Die Kordillere der Träume
Die Kordillere der Träume
© Real Fiction

Kritik: Die Kordillere der Träume (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach seinen Werken "Heimweh nach den Sternen" (2010) und "Der Perlmuttknopf" (2015) hat der Regisseur Patricio Guzmán, Jahrgang 1941, mit "Die Kordillere der Träume" den Abschluss seiner (zweiten) persönlich erzählten Trilogie über sein Geburtsland Chile geschaffen. Erneut verbindet er eine dokumentarische Betrachtung mit essayistischen Elementen. So widmet er sich der Landschaft – und kombiniert die Bilder des eindrucksvollen chilenischen Hochgebirges mit Aufnahmen, in denen die gesellschaftspolitischen Ereignisse zwischen 1973 und 1990, die Zeit der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet, eingefangen werden. Persönliche Gedanken des Filmemachers, der 1973 aus Chile fliehen musste, gehen einher mit kollektiven Erfahrungen.

Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes wurde "Die Kordillere der Träume" 2019 als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Dies lässt sich zum einen gewiss mit den faszinierenden Totalen begründen, die uns Guzmán und dessen Kameramann Samuel Lahu von den Gebirgssystemen präsentieren und für echten Kinogenuss sorgen. Doch zum anderen ist auch die Rückschau auf die Vergangenheit Chiles absolut sehenswert – und nicht zuletzt die empathische Art und Weise, wie Guzmán die Spuren, die all das in der heutigen Zeit hinterlassen hat, erkennbar macht. Wenn Archivmaterial von Protestierenden gezeigt wird, die mit rigoroser Staatsgewalt konfrontiert werden, ist das – weltweit – erschreckend aktuell.

Zu den Interviewten zählen die Künstler Vicente Gajardo und Francisco Gazitúa sowie der Schriftsteller Jorge Baradit und die Sängerin Xaviera Parra. Sie berichten von der Unterdrückung – aber auch von kreativen Wegen des Widerstandes. Der ebenfalls interviewte Kameramann und Filmemacher Pablo Salas gibt derweil Einblick in sein Archiv, in welchem er seit Jahrzehnten Videobänder mit selbst gefilmtem Material sammelt: kostbare Zeitdokumente, die das Vergessen verhindern.

Fazit: Ein gelungener Abschluss von Patricio Guzmáns Dokumentarfilm-Trilogie über die chilenische Historie – mit starken Bildern und klugen Verknüpfungen von Geografie und Geschichte.




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