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After Midnight
After Midnight
© Drop-Out Cinema eG

Kritik: After Midnight (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Was ist nur los mit Hank? Wieso behauptet der gestandene Mann, ein Monster begehre jede Nacht Einlass in sein Haus? Jeremy Gardner ("Ben & Mickey vs. the Dead"), der mit Christian Stella Regie führte, außerdem das Drehbuch schrieb und in der Hauptrolle zu sehen ist, veranstaltet ein klassisches Rätselraten des Horrorfilmgenres. Ist der Held wahnsinnig oder glaubt man ihm zu Unrecht nicht? Die Hinweise auf die psychische Labilität des Mannes sind gravierend. Im Grunde kreist fast der ganze Film um den Liebeskummer, der Hank zusetzt, seit seine Lebensgefährtin Abby fortging. Aber dann gibt es auch die fauchenden Geräusche nachts, eine Kralle, die im Loch in der Haustür erscheint, eine Blutspur.

Der Zusammenhang zwischen den beiden Erlebnissen, die Hank so zusetzen, erschließt sich beim Betrachten nicht. Der amerikanische Indie-Film bezieht eine eigentümliche Spannung und Originalität aus der Strategie, ihn zu verweigern. Das geht mit einer guten Portion Humor einher, etwa wenn Hank und sein Freund Wade (Henry Zebrowski) das grüne Gelände rund um das Haus auf Aliens absuchen. Man weiß ja, dass diese Spezies gerne in so abgelegenen Gebieten, einer gottverlassenen Provinz auftaucht, wo im Übrigen auch gelegentlich Eigenbrötler spektakulär durchdrehen.

Hank zog mit Abby vor zehn Jahren in das alte Haus seiner Eltern, dessen Holzfassade längst nicht mehr strahlend weiß ist. Es steht im tiefen Süden der USA, wo die Flechten wie in Trauer von den Bäumen hängen. Die Gegend erweckt starke Assoziationen von Blues, Verlassenheit, Weltschmerz. Der Ort hat, wie das Haus, seine besten Zeiten hinter sich, und nicht nur in der schummrigen Kneipe Hanks liegt Folkrock-Nostalgie in der Luft.

In den Rückblenden, die Hanks Erinnerungen an sein verlorenes Glück folgen, kristallisieren sich mögliche Motive Abbys, das Weite zu suchen, heraus. Hank ist ein Egoist, dem Abbys Wünsche, etwa bezüglich Familiengründung, einfach egal waren. Für jemanden wie den armen Hank, der immer noch die Aura eines junggebliebenen Rebells pflegt, gibt es womöglich keine Zukunft. Allein schon wenn der Mann mit der Flasche oder dem Gewehr in der Hand so fragend vor dem Haus steht, macht er den Eindruck, als habe er sich in die falsche Handlung verirrt. Die Leichtigkeit der Inszenierung wirkt mal lässig zurückgelehnt, mal pfiffig, so wie beim überraschenden Paukenschlag im Finale.

Fazit: Weil seine Freundin für eine unbestimmte Zeit weggegangen ist, leidet der Held dieses reizvollen amerikanischen Indie-Films ganz schrecklich unter Liebeskummer. Die Erinnerungen an sein verlorenes Glück beschäftigen ihn ebenso wie die Überzeugung, dass ein Monster Nacht für Nacht Einlass in sein einsames Haus auf dem Land begehrt. Als originelle, spannende Mischung aus Liebesdrama und Horrorfilm verströmt die Geschichte ein melancholisches, von Nostalgie durchzogenes Gefühl. Es wird wirksam kontrastiert von der Leichtigkeit der Inszenierung, die auf dezente Komik Wert legt.







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