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Lotti oder der etwas andere Heimatfilm
Lotti oder der etwas andere Heimatfilm
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Kritik: Lotti oder der etwas andere Heimatfilm (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Filmemacher Hans-Günther Bücking, u.a. bekannt als Regisseur von "Die Häupter meiner Lieben" (1999) und als Kameramann von "Kein Pardon" (1993) und "Solo für Klarinette" (1998), stammt aus Bleicherode – und hat seine neue Arbeit "Lotti oder der etwas andere Heimatfilm" in der thüringischen Kleinstadt angesiedelt. Vor und hinter der Kamera waren viele Einheimische beteiligt – darunter auch der Komponist Matthias Müller, Sänger der Rockband EMMA. Das Ergebnis ist ein satirischer Blick auf provinzielle Scheinheiligkeit, dessen Prämisse an den Literaturklassiker "Der Besuch der alten Dame" (1956) von Friedrich Dürrenmatt denken lässt.

Bücking schickt seine Ehefrau Marion Mitterhammer in der Titelrolle als Rückkehrerin in die bigotte Gemeinde. Zum einen erzählt er von der schwierigen Beziehung zwischen Lotti und ihrer entfremdeten adoleszenten Tochter, die diese vor 10 Jahren zurückließ, um in die österreichische Hauptstadt zu gehen; zum anderen wird das Leben in Bleicherode zwischen Alltagsfrust, Lästereien, Affären und schmutzigen Geschäften geschildert. Lotti bringt die Ordnung in der Kleinstadt gehörig durcheinander – und Bücking und sein Team haben spürbaren Spaß an der Überzeichnung. Einiges mutet dabei deutlich zu albern an; insgesamt hat das aber durchaus Charme.

Getragen wird "Lotti oder der etwas andere Heimatfilm" ganz unzweifelhaft von Marion Mitterhammer, deren Spiel schon in Werken wie "Pingpong" (2006) und "Die Vaterlosen" (2011) großartig war. Würde- und stilvoll lässt sie die Heldin im Leopardenmuster-Mantel gegen etliche Hürden und die Bosheiten ihres Umfeldes antreten.

Fazit: Eine charmante Provinz-Groteske, die von der Ausstrahlung der Hauptdarstellerin Marion Mitterhammer lebt.




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