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Weltreise mit Buddha
Weltreise mit Buddha
© 24 Bilder © Happy Entertainment

Kritik: Weltreise mit Buddha (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Für seinen ersten langen Dokumentarfilm begibt sich der in München geborene Regisseur Jesco Puluj auf eine Reise, um den Buddhismus näher kennenzulernen. Im Gespräch mit Gläubigen will er erfahren, ob diese Religion, die Erleuchtung als höchste Stufe ihrer Praxis verheißt, nicht auch etwas für ihn wäre. So locker und offen wie er die Reise antritt, wird er sie dann auch absolvieren. Statt tiefgründiger Philosophie und Erfahrung bekommt das Publikum Begegnungen mit Menschen und Gemeinschaften geboten, die ihre eigene, oft sehr originelle Form des Glaubens praktizieren.

Mit ihren verschiedenen Stationen rückt die Weltreise manchmal schon in die Nähe einer Kuriositätenschau. Da gibt es den Buddhisten Victor Langheld in Irland, der ziemlich unheimliche Skulpturen aufgestellt hat, um Besuchern den "dunklen Tunnel" auf dem Weg zur inneren Reife zu demonstrieren. In einer Bar in Japan hebt eine Rockband unbekümmert den Widerspruch zwischen Buddhismus und urbanem Nachtleben auf. Ein chinesisches Kloster versucht ebenfalls, die Lehre für moderne Menschen zu übersetzen und so einfach wie möglich zu halten. So beantwortet ein Robotermönch Fragen über den Buddhismus, sozusagen als niedrigschwelliges, an einen Vergnügungspark erinnerndes Angebot für Klosterbesucher.

In anderen Klöstern wie bei den Nonnen in Nepal wird hingegen kein Wert auf Dialog mit der Außenwelt gelegt. Die chinesischen Unternehmer, die sich in Afrika niederlassen, bringen kulturelle Einflüsse mit, errichten buddhistische Zentren. Ein junger Afrikaner sagt, er interessiere sich für das Leben als Mönch, weil es ein leichtes Leben sei, frei von finanziellen Verpflichtungen. Fundstücke wie diese werden vom Filmemacher aufgelesen, aber nicht reflektierend eingeordnet.

Zwar widersetzt sich der Film Erwartungen an spirituelle Tiefgründigkeit, frisch und kurzweilig wirkt er dadurch aber erst recht. Die Menschen, die er zeigt, sind oft alles andere als entrückt. Aber Pulujs lässige Haltung verrät auch, dass sein Interesse am Thema begrenzt ist. Am Ende jeder Station zieht er eine persönliche Schlussfolgerung. Die knappe, oft abwertende Art seiner Beurteilungen und Kommentare wirkt manchmal schnöselig. Mal findet er das Essen ungewohnt, mal wird ihm das Meditieren oder das rituelle Singen zu viel. Oft klappt es auch mit der Kommunikation nicht so wie von ihm erhofft. Als Protagonist hätte er sich aber selbst mehr in den Ring werfen können, um für mehr Substanz im Film zu sorgen.

Fazit: In seinem ersten langen Dokumentarfilm begibt sich der Regisseur Jesco Puluj auf eine Weltreise, um den Buddhismus näher kennenzulernen. In verschiedenen asiatischen Ländern, Irland und Afrika besucht er Klöster, spirituelle Zentren und einzelne Menschen, die ihren Glauben auf sehr unterschiedliche Weise praktizieren. Die bunte Vielfalt seiner Entdeckungen und Fundstücke wirkt unterhaltsam, widersetzt sich aber Erwartungen spiritueller Tiefgründigkeit. Das Interesse des Filmemachers am Thema bleibt ziemlich sprunghaft.




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