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Nur ein Augenblick
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© farbfilm verleih

Kritik: Nur ein Augenblick (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Drehbuchautorin und Regisseurin Randa Chahoud, die bisher überwiegend fürs Fernsehen (etwa die TV-Serie "Ijon Tichy: Raumpilot") gearbeitet hat, liefert mit "Nur ein Augenblick" ihr Langfilmdebüt. Ihr Werk bewegt sich gekonnt zwischen Drama, Kriegsfilm und Thriller und ist spürbar gut recherchiert: Aufgrund ihrer syrischen Wurzeln sei es ihr möglich gewesen, durch Gespräche mit Familienmitgliedern sowie mit Oppositionellen, politischen Gefangenen, Mitgliedern der Syrischen Befreiungsarmee und auch Anhängern der Assad-Regierung tief in die Thematik einzutauchen, erklärt Chahoud selbst.

Überdies verfügt "Nur ein Augenblick" über einen sehr überzeugenden Hauptdarsteller. Mehdi Meskar lässt uns die Entwicklung des Protagonisten durch sein intensives Spiel nachvollziehen: Der in Hamburg lebende, optimal integrierte Student Karim, der nach monatelanger Suche nach seinem Bruder im syrischen Kriegsgebiet traumatisiert wieder nach Deutschland kommt und keinen Weg zurück zur Normalität zu finden droht, ist als facettenreiche Figur angelegt und wird von Meskar glaubhaft verkörpert. Auch die Chemie zwischen Meskar und Emily Cox ("Die Vaterlosen", "jerks.") stimmt. Karim und Lilly werden als einst glückliches, harmonisches Paar mit unerwarteten Herausforderungen konfrontiert – und müssen gemeinsam gegen die Entfremdung voneinander ankämpfen.

In manchen Momenten mutet der Film sowohl dramaturgisch als auch inszenatorisch überfrachtet an; die Spuren, die Gewalterfahrungen bei einem Menschen hinterlassen, werden jedoch eindrücklich und emphatisch vermittelt.

Fazit: Eine insgesamt stimmige Mischung aus feinfühliger Beobachtung und Spannung mit einem talentierten Hauptdarsteller.




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