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Judas and the Black Messiah
Judas and the Black Messiah
© Warner Bros.

Kritik: Judas and the Black Messiah (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In seinem auf wahren Begebenheiten beruhenden Werk "Judas and the Black Messiah" widmet sich der Regisseur und (Co-)Drehbuchautor Shaka King nach seinem Langfilmdebüt "Newlyweeds" (2013) und einigen TV-Arbeiten dem Fall der Ermordung des Aktivisten Fred Hampton (1948-1969) durch die Polizei. Dabei gelingt es dem Film, die politisch aufgeheizte Stimmung in den USA der 1960er Jahre glaubhaft einzufangen. Hier herrscht keine Nostalgie; vielmehr wird der Rassismus und die Polizeigewalt spürbar gemacht – wodurch der Mix aus Biopic, Thriller und Drama nicht nur ein spannungsreiches Zeitdokument ist, sondern leider noch immer über hohe Relevanz verfügt, da die Probleme von einst auch heute noch nicht überwunden sind.

In der Darstellung der Black-Panther-Bewegung, in der sich Hampton in Chicago engagiert, wird der Zorn über die gesellschaftlichen Zustände im Land, aber auch die Hoffnung auf Veränderung gezeigt. Das Leben und der Tod Hamptons sowie die Rekrutierung des Kleinkriminellen William O'Neal als Informant durch das FBI werden nicht für Genreunterhaltung ausgebeutet, sondern in einer Art und Weise thematisiert, die uns die Wege der strukturellen Diskriminierung vor Augen führt. Der Film ist differenziert und lebt von vielen kraftvollen Momenten, etwa wenn Hampton seine energischen Reden hält und dabei sein Publikum zum Nachdenken bringt.

Der 1989 in London geborene Daniel Kaluuya ("Get Out", "Black Panther") wurde für seine Interpretation von Fred Hampton zu Recht unter anderem mit dem Oscar, dem Golden Globe und dem BAFTA Film Award ausgezeichnet. Er kann eindrücklich vermitteln, wie Hampton durch Ausstrahlung und tiefe Überzeugung Menschen für sich einzunehmen vermochte. Doch auch LaKeith Stanfield ("Knives Out") als zunehmend zweifelnder Informant liefert eine mitreißende Leistung, die sowohl die anfängliche Naivität als auch das spätere Hadern und die völlige Desillusionierung nachvollziehen lässt. Mit Ashton Sanders ("Moonlight"), Jesse Plemons ("Black Mass") und Schauspiel-Veteran Martin Sheen als FBI-Direktor J. Edgar Hoover ist "Judas and the Black Messiah" durchweg stark besetzt.

Fazit: Beeindruckendes politisches Kino, das erschreckend aktuell ist und zwei großartige Schauspieler im Zentrum zu bieten hat.




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