oder

Ein Leben zwischen den Zeiten (2020)

Wendy

Sinnlich und spirituell angehauchte Neuerzählung des Peter Pan-Mythos, der vor allem durch seine Schauwerte und den tollen Soundtrack punkten kann, aber inhaltliche Schwächen aufweist.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.7 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 10 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Wendy lebt mit ihren beiden Brüdern James und Douglas und deren Mutter, die ein Diner betreibt, in den US-Südstaaten. Eines Nachts verschwindet der Nachbarsjunge Thomas auf einem mysteriösen Zug, der leuchtend und blinkend vorbeirauscht und auf dem kleine Gestalten auf- und abspringen, er ward seitdem nicht wiedergesehen. Als Wendy neun ist, taucht nächtens derselbe Zug erneut auf und sie und ihre Brüder folgen dem gerissenen Peter, der sie einlädt, mitzufahren. Die Reise endet auf einer naturbelassenen Insel (besser bekannt als "Neverland"), wo sich viele Kinder tummeln, die dort das Sagen haben. Und auch Thomas findet sich dort. Eine ganze Kolonie von Kindern, die nicht altern, nie erwachsen werden (wollen), die ihre Freiheit auf immer und ewig genießen möchten, die ein aufregendes Leben voller Abenteuer und ohne Verantwortung führen. Als schließlich Douglas verschwindet und James altert, halten Leid und Schmerz Einzug in Wendys ach so paradiesisches Leben. Und obwohl der Anführer Peter ("Pan") alles versucht, Wendy von der Vorzügen dieser ungezwungenen Existenz zu überzeugen, sie bittet, doch zu träumen und zu glauben, bekommt sie Heimweh und bereitet ihre Rückkehr in die reale Welt vor.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

"Wendy" ist ein seltsamer Film. Das liegt weniger am Titel, der vorab eine Kinder-Pferdeverfilmung befürchten lässt, sondern an Benh Zeitlins ("Beasts of the Southern Wild") Herangehensweise: Der Film lebt von seiner distanzierten und doch irgendwie intimen Kameraführung und Erzählweise, von den schönen Bilder und von einem großartigen Soundtrack von Dan Romer, der bereits in "Zoe" (2018) sein Können unter Beweis stellen konnte. "Wendy" ist durchströmt von mystischer Spiritualität und Sinnlichkeit, wirkt dabei aber stets natürlich und ist vergleichbar etwa mit Darren Aronofskys "mother!", ohne den Horror, oder dem filmischen Philosophie- und Metaphysikexkurs "The Fountain", ebenfalls von Aronofsky, ohne dessen intellektuelle Schärfe.

Warum es trotzdem nicht zu einem Meisterwerk und nur zu einer durchschnittlichen Wertung reicht, liegt am Drehbuch bzw. an den etwas zu losen Enden diverser Plotwendungen. Alles schwebt - und das sollte uns wohl auch so direkt wie möglich vermittelt werden, eben dieses Gefühl der Schwerelosigkeit, unendlicher Freiheit - gleichzeitig wird aber auch die Kehrseite der Medaille, eine gewisse Substanzlosigkeit, spürbar, die dunkle Schattenseite des Peter Pan-Syndroms und der ewigen Jugend, aber ohne, dass dies vom Regisseur intendiert wirkt: Die Form absorbiert den Inhalt, ohne kritische Distanz. Alles ist Traum, die Einstellungen atmen transzendentale Tiefe, aber gleichzeitig hat man das Gefühl, Zeitlin und seine Co-Autorin haben sich etwas zu sehr von ihrem eigens entworfenen "Neverland" verzaubern lassen und sich selbst darin verloren.

Schließlich muss man noch auf die Entscheidung der Macher hinweisen, ganz zeitgemäß die Peter Pan-Geschichte aus weiblicher Sicht zu erzählen, wenngleich schon in der ursprünglichen Fassung die Wendy eine zentrale Position einnahm. Hier ist sie jedenfalls die Hauptfigur, die Heldenreise ist ihre und sie versucht stets, ihren eigenen, unabhängigen Weg zu finden. Dass sich Zeitlin nicht zu allzu platten oder klischeehaften feministischen Aussagen hinreißen lässt, ist ihm immerhin anzurechnen, und die Perspektive wirkt stets natürlich und nie aufgesetzt oder gezwungen.

Fazit: Eine sinnliche Reise für Augen und Ohren, wunderschön bebildert und ordentlich erzählt versucht Benh Zeitlin eine kreative Neuauflage des Peter Pan-Mythos. Man muss sich emotional fallen lassen und auf "Wendy" einlassen, dann hat man schöne knappe 2 Stunden, das Hirn aber, das sollte man dabei eher ausschalten.




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Land: USA
Jahr: 2020
Genre: Drama, Fantasy
Länge: 111 Minuten
Kinostart: 20.08.2020
Regie: Benh Zeitlin
Darsteller: Devin France als Wendy, Yashua Mack als Peter, Gage Naquin als Douglas
Verleih: 20th Century Fox

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