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Wendy
Wendy
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Wendy (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Wendy" ist ein seltsamer Film. Das liegt weniger am Titel, der vorab eine Kinder-Pferdeverfilmung befürchten lässt, sondern an Benh Zeitlins ("Beasts of the Southern Wild") Herangehensweise: Der Film lebt von seiner distanzierten und doch irgendwie intimen Kameraführung und Erzählweise, von den schönen Bilder und von einem großartigen Soundtrack von Dan Romer, der bereits in "Zoe" (2018) sein Können unter Beweis stellen konnte. "Wendy" ist durchströmt von mystischer Spiritualität und Sinnlichkeit, wirkt dabei aber stets natürlich und ist vergleichbar etwa mit Darren Aronofskys "mother!", ohne den Horror, oder dem filmischen Philosophie- und Metaphysikexkurs "The Fountain", ebenfalls von Aronofsky, ohne dessen intellektuelle Schärfe.

Warum es trotzdem nicht zu einem Meisterwerk und nur zu einer durchschnittlichen Wertung reicht, liegt am Drehbuch bzw. an den etwas zu losen Enden diverser Plotwendungen. Alles schwebt - und das sollte uns wohl auch so direkt wie möglich vermittelt werden, eben dieses Gefühl der Schwerelosigkeit, unendlicher Freiheit - gleichzeitig wird aber auch die Kehrseite der Medaille, eine gewisse Substanzlosigkeit, spürbar, die dunkle Schattenseite des Peter Pan-Syndroms und der ewigen Jugend, aber ohne, dass dies vom Regisseur intendiert wirkt: Die Form absorbiert den Inhalt, ohne kritische Distanz. Alles ist Traum, die Einstellungen atmen transzendentale Tiefe, aber gleichzeitig hat man das Gefühl, Zeitlin und seine Co-Autorin haben sich etwas zu sehr von ihrem eigens entworfenen "Neverland" verzaubern lassen und sich selbst darin verloren.

Schließlich muss man noch auf die Entscheidung der Macher hinweisen, ganz zeitgemäß die Peter Pan-Geschichte aus weiblicher Sicht zu erzählen, wenngleich schon in der ursprünglichen Fassung die Wendy eine zentrale Position einnahm. Hier ist sie jedenfalls die Hauptfigur, die Heldenreise ist ihre und sie versucht stets, ihren eigenen, unabhängigen Weg zu finden. Dass sich Zeitlin nicht zu allzu platten oder klischeehaften feministischen Aussagen hinreißen lässt, ist ihm immerhin anzurechnen, und die Perspektive wirkt stets natürlich und nie aufgesetzt oder gezwungen.

Fazit: Eine sinnliche Reise für Augen und Ohren, wunderschön bebildert und ordentlich erzählt versucht Benh Zeitlin eine kreative Neuauflage des Peter Pan-Mythos. Man muss sich emotional fallen lassen und auf "Wendy" einlassen, dann hat man schöne knappe 2 Stunden, das Hirn aber, das sollte man dabei eher ausschalten.




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