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XConfessions Night
XConfessions Night
© Busch Media Group GmbH & Co KG

Kritik: XConfessions Night (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die Schwedin Erika Hallqvist, die in Barcelona lebt und unter ihrem Künstlernamen Erika Lust arbeitet, gilt als Pionierin feministischer Pornografie. Sie selbst bezeichnet ihre Werke lieber als "ethischen Porno". Dieser unterscheide sich von herkömmlichen, inzwischen vornehmlich im Internet anzutreffenden Pornos durch die Produktionsbedingungen und die Erzählperspektive. Der Frauenanteil von Lusts Crew(s) ist hoch, viele der vor der Kamera gezeigten Sexualpartner sind auch im echten Leben Paare und die Geschichten, in denen der Sex stets einvernehmlich stattfindet, sind aus Sicht von Frauen erzählt.

"XConfessions" gibt es seit 2013. Auf der Website des Projekts können Nutzerinnen und Nutzer anonym ihre Fantasien oder tatsächliche Erlebnisse hinterlassen. Lust wählt daraus jeden Monat zwei Geschichten aus, die sie als Kurzfilme umsetzt. Acht davon hat sie auf Spielfilmlänge zusammengefasst. Wenn es diese Sammlung jetzt sogar regulär in die Kinos schafft, sind die Erwartungen hoch.

Das Ergebnis ist enttäuschend. Zwar ist jede der acht Episoden hochwertig gestaltet und hebt sich durchaus positiv vom sonst üblichen, männlich voyeuristischen Blick ab. Eine "revolutionäre[r] weibliche[r] Ästhetik", wie in der Pressemitteilung zum Film angekündigt, sucht man/frau jedoch vergeblich. Die gewählten (Ein-)Stellungen unterscheiden sich nur unmerklich von denen anderer Pornos. Was der Sammlung aber vor allem abgeht, sind vielfältige Körperbilder, die sich vom gängigen Schönheitsideal abheben, und spannende Geschichten.

Bis auf ein, zwei Ausnahmen verfahren alle hier präsentierten Filme gleich. Zwischen einen kurzen Prolog und einen noch kürzeren Epilog werden minutenlange Geschlechtsakte voll einfallsloser Dialoge gequetscht. Das ist alsbald ermüdend. Denn statt erotische Geschichten zu erzählen, geht es auch Lust nur um sichtbaren und mit schlanken und muskulösen Körpern in Szene gesetzten Lustgewinn. Das mag weitaus frauenfreundlicher sein als das, was sich auf einschlägigen Internetseiten findet. Von der vollmundig angekündigten "neue[n] Erotik-Kultur" ist es aber noch ein gutes Stück entfernt.

Fazit: "XConfessions Night" verspricht eine "neue Erotik-Kultur". Und tatsächlich sind die acht Kurzfilme von Porno-Pionierin Erika Lust komplett aus weiblicher Perspektive erzählt und ästhetisch hochwertig in Szene gesetzt. Letzten Endes unterscheiden sie sich von der männlich dominierten Pornografie aber zu wenig, um als revolutionär durchzugehen.




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