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What You Gonna Do When the World's on Fire (2018)

Dokumentarfilm über Situation und Alltag von Afroamerikanern im Süden der USA, verdeutlicht an vier Beispielen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Judy hat vor drei Jahren eine Bar im Viertel Tremé in New Orleans übernommen. Doch auch vor dieser ältesten afroamerikanischen Nachbarschaft der USA, in der einst der Jazz entstand, macht die Gentrifizierung nicht halt. Judys Bar, in der die Gäste feiern, über Rassismus sprechen und sich gegenseitig Mut machen, steht schon bald vor der Schließung.

Der 14-jährige Ronaldo und sein neunjähriger Halbbruder Titus bekommen von ihrer Mutter eingeschärft, vor Einbruch der Dunkelheit wieder zu Hause zu sein. Die alleinerziehende, berufstätige Frau zählt ihnen auf, wie viele Menschen in der Nachbarschaft erschossen wurden. Ronaldos Vater ist in Haft. Wenn er freikommt, möchte Ronaldo zu ihm ziehen.

Aktivisten der New Black Panther Party for Self Defense demonstrieren gegen tödliche Polizeigewalt. Sie fordern Gerechtigkeit für Alton Sterling, der 2016 von einem Polizisten in Louisiana erschossen wurde. Sie ermitteln nach bestialischen Morden in Jackson, Mississippi und haben den Ku-Klux-Klan in Verdacht. Sie verteilen Essen an Obdachlose.

Chief Kevin und seine Mardi-Gras-Indians bereiten sich das ganze Jahr über auf die große Karnevalparade in New Orleans vor. Sie nähen perlenbestickte Kostüme, um sich als indianische Krieger zu verkleiden und zugleich ihre Brüderschaft mit den amerikanischen Ureinwohnern zu bekunden. Einst fanden viele entkommene Sklaven bei indianischen Stämmen Aufnahme und Hilfe.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Mit seinem in zeitlosem Schwarz-Weiß gedrehten Dokumentarfilm wollte Roberto Minervini 2018 die Diskussion über Rassismus und seine Folgen in den USA befeuern. Da konnte er nicht ahnen, mit welcher Kraft zwei Jahre später die Black-Lives-Matter-Bewegung die ganze Gesellschaft erfassen würde, neu entzündet durch den grausamen Tod von George Floyd unter dem Knie eines weißen Polizisten.

Auch der aus Italien stammende Minervini, der in den USA lebt, beobachtet Proteste gegen tödliche Polizeigewalt. Er darf im Jahr 2017 Aktivisten der New Black Panther Party in Louisiana und Mississippi mit der Kamera begleiten. Nach mehreren Fällen von Polizeigewalt und zwei Lynchmorden an Schwarzen geht es für die Parteivorsitzende Krystal Muhammad und ihre Gefolgsleute darum, auf der Straße Präsenz zu zeigen, gegen die grassierende Angst. Mitunter wirkt die kleine Gruppe, die die Fäuste vor vorbeiziehenden Autos reckt, ziemlich verloren.

Die Besucher, die in Judys Bar in New Orleans diskutieren, haben Armut, Schicksalsschläge, soziale Ausgrenzung erfahren. Hier richten sie sich gegenseitig moralisch auf. Minervini kommt den Protagonisten in seinem rein beobachtenden Film menschlich sehr nahe, er fängt wie beiläufig berührende, dramatische Momente ein. Judy begleitet ihren Cousin zum Grab seiner Mutter und der Mann wird von der Erinnerung an seine schwere Kindheit überwältigt. Judy spricht liebevoll mit ihrer 87-jährigen, stets in sich ruhenden Mutter, die wegen der Gentrifizierung ihre Wohnung räumen soll.

Die beiden von ihrer Mutter streng erzogenen Brüder Ronaldo und Titus versuchen brav gegen den Strom zu schwimmen, sich von Risiken fernzuhalten, nicht mit Dealern zu verkehren. Ronaldo erklärt dem Jüngeren ein wenig die Welt und dass er sich schlagen können muss. Obwohl, schränkt er ein, sich die Leute heutzutage nicht mit den Fäusten, sondern mit Schießwaffen bekämpften. Wie lange wird es der Mutter gelingen, die Söhne vor den Gefahren im Viertel abzuschirmen?

Wiederholt scheint in diesen Beispielen institutioneller Rassismus auf, oft in Form von Vernachlässigung, behördlicher Untätigkeit. Manchmal wirken die Porträtierten wie Sisyphos, der unermüdlich wieder und wieder denselben Stein einen Berg hinaufschieben musste. Obwohl sie in so gefährlichen, bedrückenden Umständen leben, machen Judy und die anderen weiter, vergessen nicht zu feiern, zu singen und an sich zu glauben. Dieses Ringen fängt der Film bewegend ein.

Fazit: Roberto Minervinis Dokumentarfilm aus dem Jahr 2018 fängt das Lebensgefühl mehrerer Bewohner afroamerikanischer Nachbarschaften im Süden der USA ein. Es ist von der Erfahrung eines alltäglichen, wiederholt auch mörderischen Rassismus geprägt. Aus heutiger Sicht scheint der Film beinahe schon die aktuelle Erstarkung der Black-Lives-Matter-Bewegung vorauszuahnen. Die in Louisiana und Mississippi, in schnörkellosem Schwarz-Weiß gedrehten Beobachtungen fangen die Not der Menschen, aber auch ihren Zusammenhalt berührend ein.




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Land: Italien, USA, Frankreich
Jahr: 2018
Genre: Dokumentation
Länge: 123 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 23.07.2020
Regie: Roberto Minervini
Darsteller: Judy Hill, Dorothy Hill, Michael Nelson
Verleih: Grandfilm

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