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Kritik: Kiss me Kosher (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wer nicht mit den komplexen und komplizierten Gegebenheiten und Bedingungen der israelischen Nation vertraut ist, kann in "Kiss me kosher" schnell den Überblick verlieren: Eine extrem diverse und multiethnische Gesellschaft, die großteils nur durch den jüdischen Glauben verbunden ist, lebt in ständiger Gefahr und Angst vor der "arabischen Bedrohung" - ein Alltag, der für uns schwer vorstellbar ist. Dazu kommen die historischen Wunden, die direkt oder indirekt mit der Gründung des israelischen Staates verbunden sind und die fast alle Israelis irgendwie betreffen: In dieses Wirrwarr aus Motiven, Ideen und Anschauungen setzt sich "Kiss me kosher" und kreiert einen lustigen und lebhaften "Problem-Film", der durchaus zu unterhalten weiß.

Besonders interessant ist, dass der Fokus überhaupt nicht auf die lesbische Liebe von Shira und Maria gelegt wird, sondern vielmehr auf diverse Vorurteile, mit denen fast jede Figur in irgendeiner Form zu kämpfen hat: Für den durchaus konservativ gesinnten Vater von Shira (gespielt von John Caroll Lynch!) ist die sexuelle Orientierung seiner Tochter kein Problem, sehrwohl aber die Herkunft von Maria und noch mehr die liberale und "araberfreundliche" Haltung von Shira. Oma Berta stößt sich eher daran, dass ihre Enkelin ihre Partnerinnen wechselt wie andere die Unterwäsche und dass es nun ausgerechnet eine Deutsche sein muss, die sie heiraten will - während sie sich selbst und anderen ihre Liebe zu einem Araber nicht eingestehen kann.

Dieses bunte Potpurri ist, nach einer gewissen Anlaufphase, die der Film braucht, bis er sein Tempo findet, durchaus unterhaltsam und kurzweilig, was mit den gut geschriebenen Dialogen zu tun hat, aber auch mit dem großteils überzeugenden Cast. "Kiss me kosher" ist auch Beweis dafür, dass schwarz-weiß-Schablonen denkbar schlechte Ratgeber sind für komplexe multikulturelle Konflikte, dass niemand "perfekt" und frei von Vorurteilen ist und dass Vorurteile auch jeden treffen können: An einer Stelle meint die entnervte Maria, erneut mit dem (unfairen) Nazi-Vorwurf konfrontiert, zu ihren Eltern, sie will nicht immer nur "die Deutsche" sein, sondern auch einmal einfach nur "ein Mensch" mit Gefühlen wie jeder andere. Gleichzeitig plädiert der Film für Humor und (Selbst-)Ironie im Umgang mit eigenen und anderer Unzulänglichkeiten: Nach einer konfliktreichen vorübergehenden Trennung zwischen Maria und Shira konfrontiert die Deutsche ihre jüdische Freundin beim emotionalen Wiedersehen schuldbewusst mit der inzwischen gewonnenen Erkenntnis, in ihrer Familie habe es tatsächlich Menschen gegeben, die dereinst mit den Nazis sympathisiert hätten. Shiraz lakonische Antwort: Ihr Deutschen wisst wirklich, wie man romantische Momente zerstört.

Fazit: Eine vielschichtige Komödie, die trotz ernster Themen nie ihre Beschwingtheit und Lebensfreude verliert und dank guter Darstellerleistungen und witziger Dialoge zu unterhalten weiß. An manchen Stellen vielleicht etwas zu unausgegoren und chaotisch, aber im Großen und Ganzen ein kurzweiliger und bereichernder Film.




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