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Kritik: Faking Bullshit - Krimineller als die Polizei erlaubt (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der als Schauspieler und Comedian bekannte Alexander Schubert ("heute-show"), hat erstmals Regie bei einem Spielfilm geführt. Für dieses Remake der schwedischen Komödie "Kops" aus dem Jahr 2003 verfasste er außerdem das Drehbuch. Der Low-Budget-Film bietet eine vergnügliche Provinzposse, die ein wenig auch Polizeifilme persifliert und nebenbei Zeitgeist-Phänomene vom politisch verordneten Sparzwang bis zur Diskussion über Rassismus thematisiert.

Eine der besten Szenen der Komödie spielt sich am Anfang ab, bevor die Haupthandlung überhaupt in Gang gekommen ist. Deniz hat sich in einem Lokal zu einem Blind Date verabredet und die Frau fragt ihn, woher er komme. Als er sagt, dass er die Frage rassistisch findet, reagiert die Frau jähzornig. Völlig verärgert über seine Antwort, dass er trotz türkischer Wurzeln Deutscher sei, verlässt sie die Kneipe. Selbst unter den Beamten auf der Wache drängen sich manchmal Alltagsrassismus und - noch häufiger – Sexismus in die Gespräche. Wie die verschiedenen Charaktere versuchen, mit der Zeit zu gehen, während sie nicht ganz frei von eingeschliffenen, oft unbewussten Vorurteilen sind, zeigt die Komödie mit viel Dialogwitz.

Die Mischung der verschiedenen Themen sorgt für abwechslungsreiche Komik. Erkan Acar spielt Deniz mit gutem komödiantischen Timing als den schelmischen, aber auch unbedarften Polizisten und Mann, der nicht nur die Jobs retten, sondern auch bei Tina landen will. Da muss er aufpassen, dass er sich nicht, etwa wenn es um das Thema moderne Kunst geht, um Kopf und Kragen redet. Bjarne Mädel sorgt in der Rolle des Obdachlosen Klaus, der gerissen mit Polizisten verhandeln kann, für Lacher.

Die Straftaten, die die Polizisten begehen, um mit der Aufklärung beschäftigt zu sein, wirken ziemlich albern und zum Teil auch einfallslos. Insgesamt verliert die Komödie mit der Zeit an Schwung. Immer stärker macht sich dann ein statischer Eindruck bemerkbar, der auch durch den monotonen Klang der gesprochenen Dialoge hervorgerufen wird und das Fehlen realitätsnaher O-Töne. Auch die Musikeinspielung wirkt oft amateurhaft, wie über ein Homevideo gelegt. Originell sind wiederum die Tagtraumszenen aus Rockys Fantasiewelt. Die harmlose Comedy-Unterhaltung hat ihre Reize, wird aber den Büro-Mief nicht los, den sie nur satirisch nutzen wollte.

Fazit: Alexander Schubert gibt sein Spielfilmdebüt als Regisseur mit einem Remake der schwedischen Erfolgskomödie "Kops". In einer deutschen Provinzstadt soll eine Polizeiwache geschlossen werden, weil die fünf dort beschäftigten Beamten nichts zu tun haben. Erkan Acar überzeugt in der Rolle des findigen Polizeibeamten Deniz, der mit seinen Kollegen Straftaten begeht, um der Wache Arbeit zu verschaffen. Der Dialogwitz deckt beiläufig eine bunte Palette von Themen ab, von Alltagsrassismus über Feminismus bis zu moderner Kunst. Mit seinem Comedystil bietet der Film passable, harmlose Unterhaltung, die aber im Verlauf deutlich an Schwung verliert.




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