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972 Breakdowns   Auf dem Landweg nach New York
972 Breakdowns Auf dem Landweg nach New York
© Die FILMAgentinnen

Kritik: 972 Breakdowns - Auf dem Landweg nach New York (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Abenteuer des Reisens in abgelegene Gebiete oder unter außergewöhnlichen Bedingungen hat dem Dokumentarfilmgenre einen regelrechten Boom beschert. Oft liefern die Reisenden, die in der Regel filmische Amateure sind, ihre Aufnahmen selbst. Die Begegnung mit fremden Kulturen, das Kennenlernen der eigenen Grenzen und nicht zuletzt viele Fahrzeugpannen ergeben authentische Geschichten unterschiedlicher Qualität. Wer jedoch meinte, bereits alles über spektakuläre Fernreisen und aberwitzige Komplikationen gesehen zu haben, kennt diesen Film noch nicht.

Wie der Titel schon sagt, sind die Pannen das zentrale Thema einer Expedition, die dann einmal auch in einer Sendung des russischen Fernsehens als "Extremreisen" bezeichnet wird. Wer aufgrund des Untertitels "Auf dem Landweg nach New York" ins Grübeln kommt, hat übrigens recht: Erstens ist ja auch die Verbindung zwischen Asien und Alaska vom einer kurzen Meerpassage unterbrochen, zweitens umschreibt der Titel auf merkwürdige Weise eine Weltreise, die meistens Richtung Osten führt und drittens stellt sich die auf der Karte erdachte Route oft als das schiere Gegenteil eines Weges heraus.

Ständig gibt es etwas an den Motorrädern zu richten, wird in Werkstätten an Hilfskonstrukten getüftelt. In Sibirien, wo einst Stalins Gulag-Häftlinge die "Straße der Knochen" erbauten, will die Gruppe es so richtig wissen: Um die Strecke abzukürzen, fährt sie gegen den Rat von Einheimischen eine Route, die als unpassierbar gilt. Dann sieht man Personen Motorräder an Seilen durch Flüsse ziehen und fühlt sich ein wenig an die Gemälde von Neo Rauch erinnert, auf denen ebenfalls rätselhafte Geschäftigkeit herrscht.

Was sind das nur für Leute, so hart im Nehmen und dabei stets unternehmungslustig? Manchmal wirkt ihre zupackende Mentalität, ob nun Wunden verarztet oder Hürden im Gelände überwunden werden müssen, fast einschüchternd. Falls es irgendwelche Gruppenkonflikte oder Tiefpunkte gegeben haben sollte, kriegt man davon nichts mit. Im Fokus liegt die verwegene Action, oft untermalt von rockiger Musik, die der Regisseur Daniel von Rüdiger mit seinem "0101"-Bandkollegen Stefan Carl komponierte. Der Regisseur reiste nicht mit, sondern bekam das gedrehte Material vorgelegt.

Der Hauptteil des Films spielt sich in Russland ab. Dort wecken die Abenteurer Sympathien bei Menschen, die es gewöhnt sind, zu improvisieren und mit wenig Komfort auszukommen. Die USA mit ihren asphaltierten Wegen ergibt allenfalls noch eine Fußnote.

Fazit: Dokumentarfilme über Abenteuerreisen legen oft Wert auf spektakuläre Herausforderungen. Die fünf jungen Künstler, die ihre Expedition auf alten Motorrädern bis an die russische Ostküste und weiter über den amerikanischen Kontinent durchziehen, stellen alles bereits Gesehene in den Schatten. Sie lassen sich weder von unzähligen Fahrzeugpannen, noch von unwegsamem Gelände entmutigen. Mit Entdeckerlust, Erfindungsreichtum und einer Portion Tollkühnheit versetzen sie ihr Publikum in Staunen.




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